»Bliev torück, Jöschen!« — flüstert er, »dat geiht ok ahn di'!« —
Der junge Fischer richtet sich jäh auf, küßt sein bräutliches Weib noch einmal hastig auf die blassen Lippen und faßt sie derb an den Schultern. »Denk' doran, was de Pastur hüt seggt hätt'!« ruft er, springt hastig seinem jungen Kommandeur nach und lacht ein fast grimmiges Lachen.
»Dat wier' woll dat ierste Mal, dat ich fehlen deer!«
Gabriele hat keinen Blick für die schluchzende Mike, sie folgt atemlos nach dem Boot, sie preßt die bebenden Hände gegen das Herz, sie starrt mit weitoffenen Augen auf Guntram Krafft.
Sie sieht nicht, wie Frau Gundula und der Prediger die Düne hinabeilen, wie die Gräfin die gefalteten Hände zum Himmel hebt, wie ihr farbloses Antlitz die Qualen spiegelt, welche ihr Mutterherz in diesem Augenblick durchbeben, — sie sieht nur, wie der Bär von Hohen-Esp in das Boot springt, wie er ein paar kurze, begeisternde Worte an seine Getreuen richtet, sie zu vollster, heiligster Pflichterfüllung ermahnt, und sie der starken Hilfe dessen versichert, der Himmel und Erde gemacht hat! — Und dann entblößen sie alle das Haupt —
»Chryste Kyrie
Sei mit uns auf der See!« —
»Amen! — Amen!« klingt die Stimme des Predigers durch den Sturm, — und dann ein frisches, kraftvolles — »Hohojohe! — Rennen los!!« — —
Noch einmal wendet Guntram Krafft das Haupt.
Sein Blick sucht Gabriele.
Er hebt die Hand — er winkt ihr zu ... und dann steigt das Boot hoch auf, — weiße Gischtwogen scheinen es zu verschlingen ... es sinkt tief ... tief ... hebt sich ... wie furchtbare Wasserberge rollt es schwarz und grauenvoll gegen das winzige Fahrzeug heran ... gähnende Finsternis ... und der Sturm heult, und die Brandung kocht wild auf ...