Sie hat dort einen Spiritusapparat entzündet, um starken, heißen Tee für die Heimkehrenden bereitzuhalten.

Auch richtet sie alles vor, im Fall sie einem Verunglückten die erste Hilfe angedeihen lassen muß.

Wie oft hat sie schon diese Frottiertücher, die Bürsten und belebenden Essenzen zurechtgestellt, jedesmal mit demselben angstbebenden Herzen, aber auch jedesmal mit demselben Gottvertrauen und der festen Zuversicht wie heute.

Ruhig und umsichtig waltet sie ihres Amtes. Ihr Sohn, ihr Liebling, ihr einziges Glück auf der Welt, wird auch heute von Gottes Vaterhand heimgeleitet werden, wie in all jenen anderen schweren Stunden, wo sie ihn dahingeben mußte als einen Schirmherrn der Not, als einen treuen, opfermutigen Mann, welcher für fremdes Leben sein eigenes wagt!

Warum sollte Gott seine wunderbaren Wege selber durchkreuzen, nachdem er sie so herrlich und unfaßlich bis hierher geführt? O, Gräfin Gundula hat in den letzten Tagen in dem Herzen ihres Sohnes gelesen, und sie hat Gabrieles erglühende Wangen geschaut, sie weiß, welch ein Kampf in diesen beiden jungen Menschenherzen tobt, und weiß, wie herrlich der Sieg sein wird, welcher schon jetzt seine leuchtenden Strahlen vorauswirft.

Wie ein Wunder deucht es ihr, daß sie Gabriele, just diese, zu sich in die stille Strandburg rief, wie ein Wunder, daß das so reiche, gefeierte Mädchen eine arme Waise ward, deren ehemals so blinde Augen sehend werden sollten!

Wie ein Wunder muß sie es ansehen, daß die Einzige, für welche Guntram Kraffts Herz in heißer Liebe erglühte, ihm hierher folgen mußte, nachdem er den Kampf um ihren Besitz als hoffnungslos aufgegeben.

Warum das? —

Gräfin Gundula weiß es nicht und fragt auch nicht danach.