Sie wartet, und sie ist gewiß, daß das, was Gott der Herr so wundersam begonnen, auch von ihm zu gutem Ende geführt wird!
Ein lautes, jubelndes Schreien, Jauchzen und Rufen ertönt wie ein verworrenes Echo von dem Strand empor.
Das Rettungsboot kehrt zurück!
Die Bärin von Hohen-Esp hebt inbrünstig die gefalteten Hände zum Himmel, ihre Lippen zittern und flüstern leise, ihre Augen glänzen feucht.
Und ruhig, ernst und hochaufgerichtet wie stets schreitet sie abermals über den losen, wehenden Sand hinab, den Sohn zu erwarten.
Ihr schwarzes Gewand, das Trauertuch um ihre Schultern flattern im Sturm, wie verklärt leuchtet das bleiche Angesicht in dem Flackerschein der hochgeschwungenen Fackeln. Sie sieht, wie das Rettungsboot sich durch die letzte Brandung kämpft, sie hört die aufgeregten Menschen lachen und jauchzen — »sie bringen die Schiffbrüchigen! — sie sind gerettet!« — dann sucht ihr Blick Gabriele.
Sie steht regungslos noch auf demselben Fleck wie vorhin, die Hände wie in Verzückung nach dem Boot ausgestreckt, das schöne Antlitz in Gluten der Begeisterung getaucht.
Ach, daß Guntram Krafft sie so erblicken möchte! Alles drängt den Nahenden entgegen, die Männer springen in das schäumende Wasser, das Fahrzeug mit hilfsbereiten Händen zu fassen, um es auf den Strand zu ziehen, aber die Stimme des Grafen klingt kräftig durch Wind und Wogengebraus — »Halt! — laßt ab! Wir müssen noch einmal zurück! — Landet die Mannschaft ... es sind Norweger! — Versorgt sie!«
Noch einmal zurück?
Der Jubel verstummt — jähes Entsetzen malt sich auf allen Gesichtern.