Gott erbarm sich! noch einmal zurück! Noch sind nicht alle Gestrandeten geborgen!

Die fremden Seeleute springen über, bleich und ermattet, aber alle gesund und lebend; nur einen Schiffsjungen, welcher bewußtlos scheint, hebt Guntram Krafft mit starken Armen und trägt ihn selber an Land. —

»Es ist nichts, Mutter!« ruft er leuchtenden Auges, »als er über die Reeling kam, ist er hart aufgeschlagen, — das betäubte ihn! den Kopf kühlen ... und einen Kognak! — Sonst allright

Gundula schlingt die Arme um den Sohn und drückt ihn sekundenlang an das Herz.

»Noch einmal zurück willst du?« seufzt sie tief auf —; »muß es sein, mein Sohn?«

Er küßt hastig ihre Hände.

»Ja, es muß sein, Mutter! Drei Männer warten noch auf unsere Hilfe, unter ihnen der Kapitän. Das Schiff hat bereits an sieben Fuß Wasser im Raum! Das Ruder ist weggestoßen, und der Fockmast schwankt derart, daß er jeden Augenblick über Bord gehen kann! Das einzige Boot, welches noch vorhanden war, ist völlig leck geschlagen! Da ist keine Minute Zeit zu verlieren, — gebe Gott, daß wir nicht schon zu spät kommen! Nur einen Schluck zur Stärkung für meine Leute, und dann wird uns der barmherzige Gott auch zum zweiten Male helfen!« —

Der Pastor hat die Hände des Sprechers ergriffen und drückt sie mit warmen Segensworten, die Frauen reichen den Schiffbrüchigen und Lotsen die Becher mit dem Gemisch von starkem Tee und Rum. Sie umarmen ihre Männer, stumm und ergeben wie zuvor, sie weinen und klagen nicht, sie erschweren ihnen ihre saure Pflicht nicht noch mehr, — auch sie sind stark und heldenhaft, — wie sich's gebührt.

Nur Mike klammert sich ein wenig fester an ihren Neuvermählten und blickt ihm wieder und wieder in die Augen, bis Jöschen die Zähne zusammenbeißt, sich losreißt und nach dem Boote zurückwatet.

Auch Guntram Krafft wendet sich hastig. Noch einmal drückt er seiner Mutter die Hände — dann trifft sein Blick Gabriele. Sie hat bisher stumm zur Seite gestanden, jetzt plötzlich ist es, als ob ein Beben und Schüttern durch ihre schlanke Gestalt gehe, sie will nicht — sie muß ihm entgegenwanken, ihm die Hände reichen — zu ihm aufblicken ...