Die Gräfin legt die Arme um Gabriele und neigt sekundenlang das Antlitz auf die Schulter des jungen Mädchens.
»Beten Sie für ihn, Gabriele! Beten Sie! Diese zweite Fahrt ist schlimmer, viel schlimmer, wie diese erste!«
Und dann richtet sich die Schirmvogtin von Hohen-Esp energisch auf und folgt festen Schritts den Männern, welche den bewußtlosen Schiffsjungen nach dem Rettungsschuppen tragen.
Nun gilt es auch für sie, treu und umsichtig ihres Amtes zu walten.
Sie muß dem Kranken die erste Pflege angedeihen lassen, für seine Überführung nach Hohen-Esp sorgen und das Unterkommen der gestrandeten Mannschaft bedenken.
Noch einmal zögert sie und blickt zurück, sie will Gabriele zu Hilfe an ihre Seite rufen, da sieht sie im dämmernden Mondlicht, wie die schlanke, weiße Mädchengestalt auf die Knie herniederbricht, wie sie die Hände in heißem, inbrünstigem Gebet verschlingt.
Ein seliges Lächeln geht über ihr ernstes Antlitz. Nein, sie darf nicht rufen.
Dieser lichte Engel muß am Strande treue Wacht halten!
Es ist stiller wie zuvor um Gabriele, — die Männer bergen die Rettungsgeschosse, welche überflüssig geworden sind, die Weiber und Kinder üben Samariterdienste an den Schiffbrüchigen.