Er denkt an den Blick, mit welchem sie ihm vorhin in die Augen geschaut, an den Ausdruck ihres süßen Gesichts, welches während seiner Todesfahrt durch Sturm und brandende Flut wie eine glückselige Vision ihn begleitete. Der weiße Spitzenschleier weht lang von dem Haupt herab, — der Sturm faßt ihn und wirbelt ihn dem Nahenden wie ungestümen Gruß entgegen.
Da steht er vor ihr, und sie hat die gefalteten Hände gegen die Brust gedrückt und sieht mit unaussprechlichem Blick zu ihm auf.
Was soll er bestellen?
Er weiß es nicht, — alles Blut braust ihm schwindelnd zum Herzen, er weiß selber nicht, was er tut, er reicht ihr nur im Übermaß seines Empfindens die Hand entgegen und sagt leise, wie in banger, sehnender Bitte um ein freundliches Wort — »Gabriele!« —
Da geschieht etwas Unfaßliches, Unbegreifliches. Sie nimmt seine Hand mit jäher Bewegung zwischen die ihren, neigt ihr Antlitz und drückt sie an die weichen, zitternden Lippen. Wieder und wieder ... und an ihren Wimpern glänzt es feucht und perlt herab über seine Rechte.
»Gabriele!« schreit er entsetzt auf. — »Um alles in der Welt, was tun Sie?«
Sie hebt das erst so demütig geneigte Köpfchen und reckt ihre schlanke Gestalt hoch und stolz empor und schaut ihn an mit den süßen Nixenaugen, aus welchen jubelnde Begeisterung und Bewunderung leuchten.
»Ich grüße einen Helden!« stößt sie mit halb erstickter Stimme hervor, »und danke ihm für all jene Menschenleben dort, welche diese kühne, gewaltige Hand gerettet!«
Er hat seine Rechte gewaltsam befreit und preßt sie gegen die Stirn, als könne er den Sinn ihrer Worte gar nicht fassen.