»Einen Helden!« wiederholt er leise; — »und das sagen Sie mir, Gabriele — Sie?!« —
»Wem anders wie Ihnen, Graf! — Sie haben mich gelehrt, was es bedeuten will, ein Schirmvogt der Not zu sein, Sie haben es mir bewiesen, daß auch hier in tiefster, weltferner Einsamkeit ein kühner, unerschrockener Mann leuchtende Taten zu Ruhm und Ehre seines Vaterlandes tut! Sie haben es jenen Norwegern gezeigt, wie ein deutscher Mann im Sinne seines Kaisers handelt, — und ... Sie haben mich erkennen lassen, wieviel ... ach, wieviel ich Ihnen abzubitten habe!« —
Sie hatte hastig, aufgeregt, voll fieberischer Leidenschaft gesprochen; bei den letzten Worten sank ihre Stimme zu leisem Flüstern herab, und ehe sich Guntram Krafft aus seiner Betäubung aufraffen konnte, hatte sich die Sprecherin bereits dem eilig herzulaufenden Anton zugewandt.
»Gnädiges Fräulein ... der fremde Herr Kapitän sitzt bereits in dem Wagen!« meldete er atemlos. »Darf ich bitten, sogleich einzusteigen, die Frau Gräfin erwartet die Pferde umgehend zurück.«
»Ich komme!« nickte Gabriele hastig, der Bär von Hohen-Esp aber schrak empor wie aus einem Traum.
»Krischan Klaaden läßt den Herrn Grafen bitten, bei dem Boot mit Hand anzulegen! Sie quälen sich ab und wollen es auf den Wagen kriegen, aber ohne den Herrn Grafen wird's nichts damit! Und Krischan Klaaden meint, geborgen müsse es auf alle Fälle werden, denn die Flut steigt immer noch, und man könne nicht wissen, wie hoch sie in der Nacht noch käme!«
»Gut, gut, ich komme!«
Einen Augenblick noch rang er mit sich, ob er Gabriele nicht folgen und in den Wagen bringen solle, aber schon entschwand ihre lichte Gestalt wie ein Schemen, sie floh dahin über das knisternde Riedgras und mußte den Wagen bald erreicht haben. Wie war es auch möglich, mit diesem Sturm im Herzen ihr vor fremden Menschen gleichgültige Dinge zu sagen.
Guntram Krafft preßt die wetterharten Fäuste gegen die Schläfen, und seine Brust hebt und senkt sich unter keuchenden Atemzügen.