Trappten nicht die mächtigen steinernen Bären vom Burgtor herauf, die Wappenschilde in ihren Pranken vor dem jungen Bärlein in den weißen Kissen zu neigen?

Stampfte und schlurrte es nicht aus allen Winkeln und über alle Stiegen heran, der lange Zug aller jener zottigen Gestalten, welche seit Jahrhunderten hier in der Burg ihre stille Wacht gehalten und auf den jungen Sprossen gewartet haben, welcher künftighin ihr Herr und Gebieter sein soll, der Bär von Hohen-Esp? —

Welch ein Jubel und Glück im ganzen Hause! Nur der Vater des jungen Erben hält seinen Sohn mit zitternden Händen, und die Fieberglut auf seiner Stirn wechselt mit fahler Blässe. —

Sind es Tränen oder ist es perlender Schweiß, was langsam über seine fahlen Wangen rinnt? Alles schläft in der Burg — mit lächelnden Lippen und wohligem Behagen, — nur Graf Friedrich Karl wandelt ruhelos, selber einem Gespenst gleich, durch die weiten, hallenden Räume. Er findet keinen Schlaf.

Vor ihm schweben zwei große blaue Kinderaugen, die schauen ihn ernst und vorwurfsvoll an, als ob sie ihn richten wollten, und ein kleiner Mund fragt wieder und immer wieder: »Wo blieb das Erbe meiner Väter, welches sie dir zu Lehn hinterließen, auf daß du es für deinen Sohn treu und rechtschaffen verwalten solltest?« —

Wie Donnerhall brausen die Worte in seinen Ohren, ob er auch qualvoll die Hände dagegenpreßt und laut aufstöhnt: »Wie konnte ich noch auf einen Sohn rechnen! Ich war mir keiner Verpflichtung bewußt, weil mir kein Erbe geboren wurde!«

Diese leise Stimme aber fährt erbarmungslos fort: »Rechne nach! Noch ehe du ein Weib genommen, noch in den ersten, hoffnungsreichen Jahren deiner Ehe schwand das Kapital dahin, ward das Fundament gelockert, auf welchem jetzt der morsche Bau zusammenbricht! Rechne nach! wo blieb das Erbe meiner Väter?!« —

Graf Friedrich Karl sank schwer in einen Lehnstuhl nieder.

Er brauchte nicht nachzurechnen, — er wußte, wo das Geld geblieben war, — ach, er wußte es nur zu genau.