Tante Agathe kommt zum ersten Male zu kurzem Besuch und weinte Tränen der Freude über das Glück ihres Lieblings.

Als sie Gundula so gänzlich verändert schalten und walten sieht, nickt sie leise vor sich hin. Wie ein Echo ziehen die Worte ihres verstorbenen Bruders durch ihren Sinn —: »wenn aber erst die junge Brut in der Höhle liegt, dann wird aus dem sanften, indolenten Weibchen eine gar trotzige, wehrhafte Bärin!« —

Ja wahrlich! — auch Gundula wird eine solche Bärin sein! —

Auf dringenden Wunsch der Gräfin siedelte die Haushaltung nach Hohen-Esp über und verblieb den ganzen Sommer daselbst, denn wie Gundula scherzend sagte: »sollte der junge Bär in seiner angestammten Höhle geboren werden!« —

Graf Friedrich Karl leistete seiner Gemahlin tagelang Gesellschaft, dann trieb es ihn wieder voll rastloser Ungeduld in die Residenz zurück; er kam und ging — er schweifte ruhelos zwischen dort und hier, und dabei ward er immer nervöser, immer blasser und elender, und sah schließlich so ernstlich krank aus, daß es Gundula auffiel und sie besorgt nach der Ursache fragte.

Er lachte und versuchte voll unsicherer Heiterkeit zu scherzen. »Ich werde noch die Ankunft des neuen Herrn und Gebieters abwarten, und alsdann ein paar Wochen in ein Bad reisen; der Doktor meint, es sei eine verschleppte Erkältung, dafür ist Luftwechsel gut!«

Früher hatte die Gräfin nie an einem Wort ihres Mannes gezweifelt, jetzt plötzlich hatte ihr Auge etwas so seltsam Forschendes und Durchdringendes, daß Friedrich Karl ihrem Blicke auswich.


Und die Wochen vergingen ... und auf der Burg Hohen-Esp wurde ein Sohn geboren. Ein Sohn! — wie ein zitternder Jubelschrei rang es sich von den Lippen der jungen Mutter. Nun lag der heißersehnte kleine Bär in ihrem Arm, und die alten Bilder von der Wand schauten mit wundersam lebendigem Blick auf sie nieder und lächelten ihr zu.

Hub nicht ein freudiges Brummen und Raunen in allen Ecken an? —