Er muß weiter überlegen, wie und wo er sparen kann, ohne daß Gundula es merkt, denn ein Gefühl der Scham hält ihn plötzlich davon ab, seiner Frau einzugestehen, wie gewissenlos er bisher gewirtschaftet hat. —
Und er spart und legt an ... und dann schlägt das Glück einmal wieder um und er muß alles wieder von der Bank abholen, um die Spielschulden abzutragen!
Es ist ein qualvoller Kampf, ein Auf und Nieder, ein Wasserschöpfen mit dem Sieb!
Aber Graf Friedrich Karl kämpft voll zäher Beharrlichkeit, er denkt an seinen Sohn! Und er sorgt und müht sich immer leidenschaftlicher und nervöser, je mehr er es beobachtet, wie in Gundulas Wesen eine wunderbare und auffällige Veränderung vor sich geht. —
Wie in langem Staunen haftet sein Blick oft verstohlen auf der Gräfin.
Ist dies dieselbe resignierte, müde, sanfte und gleichgültige Frau von ehedem, welche auf all seine Wünsche nur ein selbstloses: »wie du willst!« hatte, welche mit gesenktem Haupte einherschritt, interessenlos, und so matt und scheu, wie eine weiße Taube, welcher ein Sturm die Schwingen brach?
Ist dies dieselbe Gundula, welche zu ihrem eigenen Schatten geworden war? —
Jetzt ist es, als ob ein Steinbild endlich zum Leben erwacht sei!
Ihre Gestalt wächst hoch und kraftvoll empor, ihr Haupt hebt sich stolz und selbstbewußt auf den Schultern, und all ihre Bewegungen haben etwas Festes, Sicheres, wie er es nie zuvor an ihr gekannt!
Die sanften Taubenaugen blitzen in sieghafter Freude, die Lippen lächeln und sprachen doch nie energischere Worte wie jetzt!