Gabriele machte eine jähe, brüske Bewegung, mit beinahe verächtlichem Lächeln wandte sie sich ab.
»Und Gräfin Thea?« —
»Sie tanzte Winter für Winter vergeblich. Jetzt hat sie sich der Frauenbewegung angeschlossen und schreibt sehr zornmutige ›grünspanische‹ Artikel gegen die Männer. Wenn es ihr glückt, ist das starke Geschlecht binnen Jahresfrist vernichtet!« —
»Gottlob, daß Hohen-Esp so weit aus der Welt liegt,« lachte Guntram Krafft, »hier erreicht mich ihre Feder hoffentlich nicht im Todesstoß!« —
Die Rettungsstation des Bären von Hohen-Esp hat viel bewundernde Anerkennung gefunden, und sein edles Beispiel gab oft Veranlassung, auf diesem Gebiete nachzueifern und das Rettungswesen zur See zu fördern. Durch ihn ward in der Residenz die Aufmerksamkeit des großen Publikums auf die bittere Not gelenkt, mit welcher der Seemann an unserer heimatlichen Küste zu kämpfen hat, und manch hilfsbereite Hand tat sich auf, die Sammlungen der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger durch ein Scherflein zu unterstützen.
Da hatte der Bär von Hohen-Esp auch in weiterem Sinn für das Vaterland gewirkt und zu sein und seines Kaisers Ruhm und Ehren zwar nicht das Schwert, wohl aber das Ruder mit kühner, tatenfroher Hand geführt.
Neben der Rettungsmedaille schmückt ein hoher Verdienstorden seine Brust, und es war einer der schönsten Tage in Gabrieles Leben, als sie denselben dem geliebten Mann voll stolzer Anerkennung auf sein schlichtes Fischerkleid heften konnte.
Von dem Rettungsschuppen flattert die Fahne der Hohen-Esp, weithin sichtbar nach dem blauen Meer, und um die Mauern und Zinnen des alten Bärenschlosses weht und rauscht es auf geheimnisvollen Schwingen, — ranken die roten Rosen und duften heimlich von dem unvergänglich großen Liebesglück, welches darinnen wohnt.