Zum händeringenden Erstaunen von Frau von Sprendlingen hat ihre Tochter viel mehr Interesse für den Rettungsschuppen, wie für Haus und Hof, und nie zuvor hätte sie geglaubt, daß Gabriele sich so leidenschaftlich für die See und alles, was mit ihr und dem Rettungsschuppen zusammenhängt, begeistern könne. Aber gerade das bildet das jauchzende, unbeschreibliche Entzücken des Grafen, den Höhepunkt all seines Glückes.
Das verbindet sein Herz doppelt fest und innig mit dem seines heldenhaften Weibes, welches ihn hinausbegleitet auf die See, in Sonnenglanz und Mondenschein, bei Sturm und bösem Wetter.
Dann sitzt auch auf dem lockigen Köpfchen der Gräfin der Südwester gar bildhübsch und verwegen, auch sie trägt »Ölzeug« und weiß mit Ruder und Segel Bescheid wie der beste Lotse!
Einst hatte ein jäh einsetzender Sturm sie weit draußen auf dem Meere überrascht. Es gab eine grobe See und schweres Wetter.
Gabriele aber war fest und seetüchtig wie ein bewährter Matrose, — mit blitzendem Auge schaute sie kühn und unerschrocken in das Wetter hinaus, und als es immer gewaltiger stürmte, und das Schifflein von hohen Wogen geschleudert ward, da faßte sie die Hand ihres Mannes, schmiegte sich fest an ihn und blickte ihm in die Augen.
Er umschloß sie treu und innig: »Fürchtest du dich, Herzlieb?« —
Da lächelte sie, faßte seine Hand noch fester und sagte schlicht: »Wovor? Wir sind ja beisammen!« —
O, in diesem Augenblick hätte der Graf von Hohen-Esp sein schwankes Schifflein mit keinem Kaiserthron vertauscht!
Als Frau von Sprendlingen aus der Residenz die Nachricht mitbrachte, daß Herr von Heidler schon seit Jahr und Tag den Abschied genommen und in süßem Nichtstun von den Renten seiner Gattin lebe, — dies sei behaglicher wie das ewige Hetzen, Drillen und Streben im bunten Rock — da starrte Gabriele die Sprecherin mit weitoffenen Augen schweigend an, Guntram Krafft aber fragte überrascht: »Er war doch passionierter Sportsman, und so eine Leidenschaft liegt im Blut! Reitet er nicht mehr privatim die Rennen mit?« Da lächelte die Generalin: »O, nein! Anfänglich hatte er wohl den Wunsch, es zu tun, aber seine sehr verwöhnte, kindische und eigenwillige Frau hat es ihm streng verboten, da es zu gefährlich sei; und da Herr von Heidler sehr unter dem Pantoffel steht, fügt er sich willenlos den Wünschen seiner reichen Gattin.« —