»Das wäre ... das wäre ein Verbrechen von Friedrich Karl!« ... stöhnte sie auf und schlug wie in jähem Entsetzen die Hände vor das Antlitz. »War ich denn mit Blindheit geschlagen, daß ich nicht mehr sah, was um mich her vorging? Habe ich die ganze furchtbare Zeit verträumt und verschlafen, daß ich nicht ahnte, zu welch einem Dasein ich mein Kind geboren? Aber nein! nein! — tausendfach nein! Es kann, es darf ja nicht so sein! — Du bist falsch unterrichtet, Tante Agathe, man hat meinen Mann verleumdet! Es ist nicht so schlimm, es kann nicht so schlecht mit ihm stehen, sonst wäre er nun und nimmermehr nach San Remo gefahren — — —«
»Er ist nach Monte Carlo gefahren!«
»Monte Carlo?« — Gundulas Augen flammten.
»Undenkbar! — woher weißt du das?« —
»Ich sehe es aus diesem Brief ... und ich habe Menschenkenntnis genug, um einen Mann wie Friedrich Karl richtig zu beurteilen!«
»Tante!« —
Gundula taumelte einen Schritt zurück und preßte die Hand gegen das stürmende Herz — »Du hast stets so hart und unbarmherzig über meinen Mann geurteilt ...« — sie unterbrach sich und horchte auf.
Drunten, auf dem holperigen Pflaster des Burghofs klang Hufschlag.
»Kommt er zurück?«
Agathe war an das Fenster getreten, ihre hohe, kraftvolle Gestalt schien zusammenzuzucken.