Von Jahr zu Jahr konnte die Gräfin von dem angrenzenden Besitz Gottern Areal zurückkaufen, was ihr um so leichter ward, als der Besitzer der Herrschaft selber in recht mißliche Lage gekommen und froh war, das Land wieder in Kapital verwandeln zu können.

So kam der Tag, an welchem die überraschende Nachricht die Runde durch die Residenz machte, daß es der Bärin von Hohen-Esp in ganz unglaublicher Weise gelungen sei, die Herrschaft Gottern zu Hohen-Esp zurückzukaufen, daß es ihr auch durch ihre enorme Willenskraft, ihren Fleiß und äußerste Sparsamkeit gelungen sei, ihren Sohn schon jetzt wieder zu einem sehr wohlhabenden Mann zu machen.

Die alte Tante Agathe sei schon längere Zeit krank und liege nunmehr im Sterben.

Viel habe sie ja wohl nicht zu vererben, aber doch genug, um es der Gräfin vorläufig sehr leicht zu machen, auch mit dem nunmehr so bedeutend vergrößerten Besitz erfolgreich und dauernd zu wirtschaften.

Der Wohnsitz solle aber nach wie vor Hohen-Esp bleiben, und Graf Guntram Krafft, welcher nunmehr neunzehn Jahre zähle und seiner Militärpflicht genügen müsse, werde wohl zum erstenmal allein in die große, unbekannte Welt hinaustreten!

Man erwartete voll Spannung das Erscheinen des schier sagenhaft gewordenen jungen Mannes, bis die enttäuschende Nachricht kam, daß der Graf wegen eines ganz unbedeutenden kleinen Fehlers, — man sagte, daß ihm bei einer stürmischen Seefahrt im Boot, beim Überholen einer Teertonne, dieselbe zwei Zehen vom Fuß geschlagen — vom Militär freigekommen sei.

Es sei ein Jammer darum!

Der junge Mann verkörperte das Urbild aller blühenden Kraft und Lebensfrische, er sei in der Tat ein wahrer »Bär« von Hohen-Esp, so groß, so stark, so reckenhaft schön und ritterlich, — ihm selber habe die Lust, Soldat zu werden, aus den Augen geblitzt, und er habe sofort gebeten, ihn der Marine zuzuweisen, da er so gut Bescheid mit dem Seefahren wisse, — aber die Gräfin habe voll leidenschaftlicher Energie alle Hebel in Bewegung gesetzt, den Sohn freizubekommen.

Da sie die Bestimmungen für sich gehabt habe, und Graf Guntram Krafft ein durchaus gehorsamer Sohn sei, so sei leider nichts zu machen gewesen.