Wieder lachte der Kammerherr sein dröhnend tiefes Lachen.

»Unbesorgt, Agathe! Ich frage jetzt das Mädel, und will sie ihn — so bekommt sie ihn!«

»Ein wildes Pferd zu bändigen, ist wohl leichter, als wie einen leichtsinnigen Menschen im Zügel zu behalten! Wenn ein Weib liebt, so ist es schwach und ohnmächtig — und Gundula wird ihren Gatten lieben! Sie wird auch an seiner Seite so selbstlos und uneigennützig sein, wie sie es jetzt ist, und das öffnet dem Bankrott Tür und Tor!« —

Herr von Wahnfried starrte mit wunderlichem Lächeln grad aus. »Sie wird ihren Gatten lieben — ja ... Aber nur so lange voll blinder Nachsicht, bis ein anderer kommt, den sie noch mehr liebt!«

Beinahe entsetzt blickte Agathe auf. »Wie soll ich das verstehen? Wen könnte sie je mehr lieben wie den Mann ihrer Wahl?«

»Ihren Sohn!« — antwortete der Kammerherr langsam, voll schweren Nachdrucks und in seinen tiefliegenden Augen glimmte es wieder so seltsam wie zuvor: »Eine Bärin ist das gutmütigste Geschöpf der Welt, welches sich geduldig den Pelz zausen läßt, solange sie nichts anderes hat, als ihren Meister Petz! Wenn aber erst junge Brut in der Höhle liegt, dann wird aus dem sanftmütigen und indolenten Weibchen eine gar wilde, leidenschaftliche Mutter, welche die wehrhaften Pranken hebt und zerbeißt und zerreißt, was das sichere Nest ihrer Jungen gefährdet! — Je nun! Auch Gundula wird eine Bärin von Hohen-Esp sein, und wenn sie zuvor nicht für sich selber kämpfte, für ihre Söhne tut sie es so wahr und sicher, wie es mein Blut ist, welches in ihren Adern kreist! — — Dixi, Agathe; — ich habe geredet.« —

»Ja, du hast geredet!« nickte die alte Dame und reckte ihre markige Gestalt noch entschlossener empor, denn zuvor, »ich aber werde handeln.« —

Gundula von Wahnfried stand im Brautkleid und harrte ihres Verlobten, welcher sie in seiner glänzenden Equipage, mit dem elegantesten Viererzug, welchen die Residenz aufwies, zur Trauung abholen wollte.

Jungfer und Modistin hatten noch geschäftig an Schleppe, Kranz und Schleier geordnet, als Tante Agathe einen Blick auf die Uhr warf und den Diensteifrigen in ihrer kurzen, energischen Art bedeutete, das Zimmer zu verlassen.