Anfänglich hatte ihn das Lichtmeer geblendet, die Menschenmenge belästigt, die Masse der hohen Häuser in unangenehmer Weise bedrückt; er empfand nur das Ganze als ein schwindelerregendes Chaos und verstand es noch nicht, das Einzelne, Schöne und Interessante daraus zu erfassen. Aber er lernte es bald.
Anton war ein verständiger und guter Lehrmeister, ein Mensch, der, als ehemals so verwöhnter und welterfahrener Mann, es nun nach der langen Zeit tiefer Einsamkeit geradezu mit Entzücken genoß, noch einmal in das verlorene Paradies seiner Jugendträume zurückzukehren.
Antons Freude und Eifer steckte den jungen Gebieter bald an, und dieweil Graf Hohen-Esp während der ersten Tage noch ein gewisses Unbehagen und Mißtrauen jeglichem Neuen gegenüber empfand und seiner Mutter nur mit einem rechten »Stoßseufzer« über die schreckliche Rundreise durch alle Magazine und Läden berichtete, — so gewöhnte er sich doch bald an das so gänzlich veränderte Bild seiner Umgebung.
Immer leuchtender haftete sein Blick auf all dem Eigenartigen, immer zufriedener musterte er seine so ganz verwandelte äußere Erscheinung im Spiegel, — er lachte so heiter wie ein Kind, als Anton ihm schmunzelnd versicherte: »So, Herr Graf, nun können wir uns schon vor den Residenzlern sehen lassen, bei Gott, einen schmuckeren Junker können sie im ganzen Land nicht finden!«
Ja, er war eine imposante, auffallend schöne Erscheinung, der Bär von Hohen-Esp, aber trotz der modernen Kleider lag es doch wie ein undefinierbares, gewisses Etwas über ihm, was ihn fremd und ungeschickt zwischen den anderen Herren erscheinen ließ.
Eine unüberwindliche Befangenheit und das Ungewohnte der neuen Kleidung beeinflußten ihn, er tappte daher wie ein Mensch, welcher zeitlebens blind gewesen und nun mit einemmal sehen lernt.
Der Ausdruck seines Gesichts, welches sonst mit Adleraugen, kühn und trotzig in Sturm und wildes Wetter schaute, bekam etwas kindlich Naives, beinahe Verlegenes, wenn er durch die Menschenmenge schritt oder im Hotel an der Table d'hôte Platz nahm.
Gundula hatte ihren Sohn tadellos erzogen, seine Manieren waren vorzüglich, formell und ritterlich, er war weit entfernt davon, sich wie ein Hinterwäldler zu benehmen, und doch wirkte seine Art und Weise seltsam, weil ihn das Ungewohnte der Situation ungeschickt und linkisch machte.
Der junge Bär hatte wohl alles, was eine gute Erziehung fordert, gelernt, aber er hatte seine Kenntnisse nie unter fremden Menschen verwertet, und weil hier in der Stadt alles so völlig anders war wie daheim, so verlor er auch den Glauben an sich selber und seine Art, und diese Unsicherheit gab dem hünenhaften Recken etwas Linkisches und Unvorteilhaftes.