Trug sie deren am Kleide? Er sah sie nicht. Vielleicht war es auch nur solch ein herrliches, duftendes Wasser, welches Anton ihm auf den Toilettentisch gestellt.

Der Einsiedler von Hohen-Esp kannte keine eleganten Parfüms, diese waren unerlaubter Luxus in der Bärenhöhle gewesen, seit Gräfin Gundula jeden Heller sparte, um Goldstücke zu erwerben.

Anfänglich hatte Guntram Krafft »das Zeug« verächtlich zurückgewiesen.

Es deuchte ihm zu weichlich für einen Mann, wenn er sich mit dem Duft einer Blume schmücken wollte; — aber für eine Dame ... ja, das ist etwas anderes!

Wie hatte er es an seiner Tante, — an seiner Bonne geliebt, wenn sie im Frühling Veilchen und im Sommer eine Rose an der Brust trugen! Seine Mutter stellte die Blumen nur in ihr Zimmer, denn sie duldete keine Farbe an ihrer düsteren Witwentracht, aber selbst in dem stillen, freudlosen Gemach der Gräfin hatte ihn der Blumenduft angeheimelt und erfreut.

Und nun zog es wie eine süße, zauberhaft süße Woge um das reizendste junge Weib, welches er je mit Augen geschaut, um eine menschgewordene Melusine, welche ihm aus dem fernen Weltmeer hierher gefolgt ist, damit er nicht allein sei in der großen, unverstandenen Welt. —

Erst viel später kam ihm der Gedanke: »Wer mag sie gewesen sein?«

Der Dienstmann schien sie zu kennen, es war töricht, daß er ihn nicht nachträglich um den Namen der Unbekannten befragt hatte! Er ist noch gar zu ungewandt in solchen Sachen, und er würde gewiß sehr verlegen geworden sein, sich als derart neugierig zu zeigen.

Ob er sie wohl einmal wiedersieht?

Gewiß! —