Es schlägt sieben Uhr, eine Stunde, welche in Hohen-Esp den jungen Gebieter noch nie in den Federn angetroffen, — warum soll er aber schon hier aufstehen? —

Der Tag ist ohnedies so lang, wenn man nichts zu tun hat.

Der Graf verschlingt die Hände unter dem Haupt und schließt die Augen, — er will weiterträumen von der wunderlieblichen Meerfrau, welche ihn mit dem Lächeln und den Augen der fremden Dame angeschaut.

— — An dem darauffolgenden Tage geht er noch mehr denn sonst spazieren.

Es ist rauhe Schneeluft, und die verwöhnten Leute der Residenz sitzen hinter dem Ofen und ahnen gar nicht, wie anders der Nord-Nordost über die See heult, wie er seine Eiskörner gegen die Burgfenster von Hohen-Esp jagt und dem jungen Bären zuruft: »Komm heraus aus deiner Höhle und wage ein lustig Tänzlein mit mir!«

In dicke Pelze gehüllt, schreiten hier in den geschützten Straßen die Herren so eilig aus, als fürchteten sie, in Eiszapfen verwandelt zu werden, und Damen sieht man fast gar nicht, selbst auf dem See im Park, wo der Graf während längerer Zeit Schlittschuh gelaufen, zeigte sich kaum eine der graziösen Gestalten in flottem Eiskostüm.

Guntram Krafft schaut so aufmerksam ringsum, er wandert ruhelos einher und sucht jemand, ohne es sich selber einzugestehen, und wenn ein Schlitten klingelt, so bleibt er unwillkürlich stehen und schärft den Blick.

Seine Visiten wird er am morgenden Tage fahren, und Anton versichert, daß durch die alsdann erfolgenden Einladungen reiche Abwechslung in dieses langweilige Leben kommen werde.

Bisher hat sich der Bär von Hohen-Esp vor diesen Einladungen gegrault, wie vor einer schweren unangenehmen Pflicht, welche er erfüllen muß, weil sie von ihm gefordert wird; jetzt plötzlich denkt er mit mehr Interesse daran, ja, er sieht in ihnen die einzige Möglichkeit, jener entzückenden Fremden noch einmal begegnen zu können.

An der Straßenecke hängt in dem vergitterten Kasten der Theaterzettel aus.