Sobald eine Tür klappte, richtete sich sein Blick wie in ungeduldigem Forschen den neu Eintretenden zu, und so viel anmutige junge Mädchen und selbstbewußte schöne Frauen auch erschienen, Guntram Krafft sah jedesmal enttäuscht aus. —
Mehr und mehr Menschen drängten sich nach ihren Plätzen, immer bunter, immer farbenprächtiger ward das Bild ringsum, — auch die Loge füllte sich mit Gästen.
Ein paar höhere Offiziere mit ihren Damen nahmen neben dem Grafen Platz, die Erscheinung des fremden Herrn mit schnellen Blicken musternd und alsdann hinter dem Fächer in unauffälliger Weise nur das eine Wort flüsternd: »Der Parzival!«
Ein Lächeln, Raunen, Flüstern — —
Ja, der moderne Parzival, welchen die besorgte Mutter so ängstlich gehütet, welchen sie in tiefer Waldeinsamkeit erzog und nun doch hinaus in die gehaßte Welt schicken muß, weil das Herz des jungen Recken voll glühender, tatendurstiger Ungeduld nach Aventure verlangt.
Die ganze Residenz wußte es bereits, daß der Graf von Hohen-Esp im Hotel Quartier genommen und gekommen war, die Feste der Saison zu besuchen, um sich eine Burgherrin für die ferne Bärenhöhle zu erwählen.
Voll lebhaften Interesses sahen Mütter und Töchter der guten Partie entgegen, und manch neugierig forschender, oder zärtlich lächelnder Blick streifte den jungen Mann, wenn er seine Spaziergänge durch die Straßen machte und sich so völlig fremd und unbekannt in der Stadt wähnte.
Auch jetzt waren fast alle Blicke auf den Bären von Hohen-Esp gerichtet, welcher ahnungslos über die Menge hinwegblickte und nur eine einzige unter allen suchte.
Er bemerkte es auch nicht, wie eine junge Dame in der Nebenloge, welche sich lebhaft mit den Insassen seiner Loge begrüßt hatte, die Blicke immer wieder auf ihn heftete und sichtlich bemüht war, seine Aufmerksamkeit zu erregen.
Wie schwer aber war das bei einem derart naiven und harmlosen Menschen wie diesem modernen Parzival!