Er hörte mit halbem Ohr der Begrüßung und Unterhaltung zu, vernahm, daß der eine der Offiziere sie »gnädigste Komtesse« — eine der Damen als »liebste Thea« anredeten, daß man über einen Ball bei dem Kammerherrn von Stach sprach und fragte, warum eigentlich Fräulein von Sprendlingen nicht zugegen gewesen sei ...

Dann aber setzte die Musik ein, und ihre wundervolle Eigenart interessierte den Grafen mehr, wie das verstummende Geplauder neben ihm.

Soeben wollte sich seiner eine gewisse Mißstimmung über die Enttäuschung, welche er erfahren, bemächtigen, aber der eigenartige Seemannsruf, das so faszinierende: »Ho — Hoho johe!« — riß ihn empor aus seinen Gedanken, atemlos hinabzulauschen, wo aus Flöten und Geigen schier spukhaft der ganze Zauber des Seemannslebens emporrauschte.

Und als sich der Vorhang hob — da erhob sich ganz unwillkürlich auch Guntram Krafft und schaute starren Blickes, tief aufatmend, voll unendlichen Staunens auf das mächtig wogende Meer, auf welchem das Schiff des fliegenden Holländers heranfliegt!

Und nun er selber, der verwünschte, ruhelose Mann, just so, wie sein altes, verräuchertes Bild in der »blauen Woge« daheim hängt, so bleich, wie Krischan Klaaden ihn deutlich gesehen hat, als er in wilder Sturmnacht am Kap Horn an ihnen vorüberraste!

»Blutrot die Segel — schwarz der Mast! —« Und alle Segel vollgesetzt, so wie das bei einem Schiff aus Holz und Eisen unmöglich gewesen, kein Licht an Bord — keine Mannschaft auf Deck — kein Pfeifen und Schrillen um Rahen und Wanten — still und geisterhaft wie ein Schatten flog's vorbei, — Elmsfeuer blitzen, und nur auf dem Vorderschiff eine düstere Gestalt mit schneeweißem Gesicht ... so ... just so, wie sie jetzt drunten auf der Bühne steht!

Ho — hoho johe! —

Ist dies wahrlich nur eine Komödie?

Ihm ist's, als wehe die kalte, scharfe Seeluft in die Loge empor, — ihm ist's, als woge das Meer vor seinen Blicken ... ihm ist's, als stehe er selber am Strand und schaue aus nach jenem Schiff, von welchem die sehnsüchtigen Klänge über die Wasser ziehn ... »Blas lieber Südwind!...«

Guntram Krafft richtet sich höher auf, wie wildes Heimweh überkommt es ihn, voll sehnsüchtigen Entzückens leuchten seine Augen! — Er möchte die nervigen Arme recken und dehnen, möchte aus rauher Seemannskehle den Fremden auf der Bühne zujauchzen: »Ho ho johe! ich hol' euch über!! —«