Vergessen hat er, wo er ist, er weiß es nicht, daß ein Lichtstrahl aus den Kulissen hervor just sein weit vorgeneigtes, begeistertes Antlitz trifft, er ahnt es nicht, wie schön ihn die Erregung macht, wie auffällig er sich in diesem Augenblick benimmt.
Er weiß es auch nicht, daß zwei Mädchenaugen in langem Schauen auf ihm haften, daß es in ihnen aufleuchtet wie geheime Leidenschaft und brennendes Interesse, — seine Nachbarin, Komtesse Thea, welche keinen Blick von ihm wendet.
In die gegenüberliegende Loge sind leise zwei Damen getreten und haben unbemerkt Platz genommen.
Die Jüngere ist es, die mit langem Blick den Grafen von Hohen-Esp mustert und ihrer Nachbarin zuflüstert: »Sieh, Mama, da drüben steht der fremde Herr, welcher mich gestern unter dem Schlitten hervorgeholt hat!«
Frau von Sprendlingen, die noch immer auffallend schöne und elegante Frau des seit etlichen Jahren pensionierten Generals, hob die Lorgnette.
»Ah! Das interessiert mich! Eine auffallend schöne und stattliche Erscheinung! Er scheint ja überaus begeistert von der Aufführung — sogar von diesem ersten langweiligen Akt! — Sonst bekommen die Herren in der Regel erst Augen und Ohren, wenn die Senta erscheint! — Sieh nur diesen Ausdruck in dem Gesicht deines Retters! Nächstens fällt er auf die Bühne herunter! Seine Augen leuchten ja förmlich! Wer mag es sein, hörtest du es nicht, Gabriele?«
Die junge Dame zuckte die Achseln. »Nie sollst du mich befragen ...«
»Je nun, man wird es erfahren!«
»Wenn er in der Residenz bleibt, sicher!«