»Sehr viel, wenn man nicht eine alte Jungfer werden will!«
Gabriele zuckte mit stolzem Lächeln die schönen Schultern. »Als ob man nur heiratete, um versorgt zu sein und unter die Haube zu kommen! Arme Mädchen sind wohl darauf angewiesen! — Gott sei Dank, daß ich in der Lage bin, frei nach Herz und Geschmack einen ... einen recht amüsanten Mann zu wählen!«
Frau von Sprendlingen atmete etwas beklommen auf und zupfte nervös an den echten Spitzen ihres Kleides.
»Welch eine Torheit! Gerade du, die so sehr verwöhnt ist und so ungeheure Ansprüche an das Leben stellt, mußt eine sehr brillante Partie machen. Du machst dir total falsche Vorstellungen von unserm Vermögen ...«
»O nein! Daß ich keine Millionärin bin, weiß ich, aber daß ich genug habe, um auch einen armen Mann heiraten zu können, davon bin ich überzeugt!«
»Und wenn du dich irrst?«
»Dann bleibe ich lieber frei und unabhängig, ehe ich einen Mann freie, der mir nicht sympathisch ist!«
»Ist dir jener Fremde drüben sympathisch?«
Gabriele lehnte das Köpfchen gelangweilt zurück. »Vorläufig ist er mir unendlich gleichgültig! Zwar sieht der ›blonde Riese‹, wie du ihn zu nennen beliebst, aus, als könne und müsse er ganz Hervorragendes leisten, und du weißt, daß ich die Menschen nur nach Verdienst schätze!«
»Ah ... die ideale Marotte! Die deutsche Maid, welche sich nur für Helden begeistern kann! Schade, daß es deren heutzutage zu wenig gibt!«