„Sehr richtig!“ antwortete Tschitschikow.

„Daran haben Sie wohl getan. Wahrhaftig! Daran haben Sie sehr wohl getan!“

„Ja, jetzt sehe ich selbst, daß ich nichts Besseres tun konnte. Mag es sein, wie es will, der Lebenszweck des Menschen ist noch nicht endgültig fixiert, solange er nicht festen Fuß auf dauerndem Grunde gefaßt hat, und noch irgend einem chimärischen Jugendideal der Freidenker nachjagt.“ Bei dieser Gelegenheit verfehlte er nicht ein paar tadelnde Worte über die jungen Leute und ihren Liberalismus zu sagen, und das von Rechts wegen. Aber, was sehr merkwürdig war, es lag in seinen Worten noch immer eine gewisse Unsicherheit, wie wenn er gleich darauf zu sich sagen wollte: ‚Ach was? Bester, du schwindelst, und nicht zu knapp!‘ Ja, er wagte es nicht einmal, Sabakewitsch und Manilow anzusehen, weil er sich fürchtete, einem unliebsamen Ausdruck in ihren Gesichtern zu begegnen. Aber seine Sorge war unnütz; in Sabakewitschs Gesicht regte und rührte sich nichts, Manilow aber war ganz hingerissen von der schönen Rede, schüttelte bloß den Kopf vor Vergnügen, und geriet dabei in eine solche seelische Verzücktheit, wie sie sich wohl eines Musikkenners zu bemächtigen pflegt, wenn die Sängerin noch die Violine überbietet und einen so feinen hohen Ton in die Luft schmettert, wie ihn selbst eine Vogelkehle nicht herauszubringen vermag.

„Warum sagen Sie denn Iwan Grigorjewitsch nicht, was Sie eigentlich gekauft haben?“ bemerkte Sabakewitsch. „Und Sie, Iwan Grigorjewitsch? Fragen Sie denn garnicht, was für einen Kauf er gemacht hat? Wüßten Sie nur, was für prächtige Leute das sind! Gold ist nichts dagegen! Ich habe ihm doch auch den Wagenmacher Michejew verkauft.“

„Wahrhaftig? Nein?“ versetzte der Präsident. „Ich kenne den Michejew; der Mann ist ein Meister in seinem Fach; er hat mir einmal eine Droschke repariert. Aber erlauben Sie mal ... Wie ist denn das? ... Haben Sie mir denn nicht gesagt, daß er gestorben ist? ...“

„Wer? Michejew tot?“ fragte Sabakewitsch, der auch nicht einen Augenblick die Fassung verlor. „Sie meinen wohl seinen Bruder, der ist allerdings tot; dieser hier ist so gesund, wie ein Fisch im Wasser; der fühlt sich noch wohler als früher. Vor kurzem hat er mir noch eine solche Kutsche gebaut, wie Sie sie nicht einmal in Moskau bekommen. Der sollte eigentlich zum Hoflieferanten des Kaisers ernannt werden.“

„Ja, Michejew ist ein Meister,“ versetzte der Präsident, „ich wundere mich eigentlich, daß Sie sich so leicht von ihm trennen konnten.“

„Ja, wenn’s nur der eine Michejew wäre! Stepan Probka, der Tischler, der Ziegelbrenner Miluschkin, der Schuster Maksim Teljatnikow — sie gehen alle fort, ich habe sie alle zusammen verkauft.“ Und als der Präsident fragte, warum er sie denn gehen lasse, wenn es doch lauter nützliche Leute und Handwerker seien, die er in seinem Haushalt brauchen könne, antwortete Sabakewitsch, indem er eine gleichgültige Handbewegung machte: „Ich weiß nicht, es ist mir mal so’ne dumme Idee in den Kopf gekommen! Ich habe mir halt gedacht: ach was, ich verkaufe sie, und hab’ sie dann dummer Weise wirklich verkauft!“ Hierauf ließ er den Kopf hängen, wie wenn es ihn jetzt tatsächlich reute, und er fügte hinzu: „Da wird man alt und grau und wird doch nicht klüger!“

„Aber erlauben Sie mal, Pawel Iwanowitsch,“ sagte der Präsident. „Wozu kaufen Sie eigentlich Bauern, ohne Land? Brauchen Sie sie etwa zu Ansiedelungszwecken?“

„Natürlich zu Ansiedelungszwecken!“