„Hm! Das ist sehr merkwürdig!“ sagte die in jeder Beziehung angenehme Dame. „Was hat das wohl zu bedeuten, das mit den toten Seelen? Ich muß gestehen, von dieser Geschichte verstehe ich nichts, rein garnichts. Jetzt höre ich bereits zum zweiten Male von diesen toten Seelen. Und da behauptet mein Mann, daß Nosdrjow lügt! Irgend etwas steckt sicher dahinter!“
„Nein, aber denken Sie sich bloß in meine Lage hinein, Anna Grigorjewna, wie mir zu Mute war, als ich das hörte!„Und jetzt,“ sagt Karobotschka, „weiß ich gar nicht, was ich anfangen soll! Er hat mich gezwungen irgend eine falsche Urkunde zu unterschreiben,“ sagt sie, „und mir dann fünfzehn Rubel in Papier auf den Tisch geworfen. Ich,“ sagt sie, „bin eine unerfahrene hilflose Witwe und verstehe nichts von diesen Sachen.“ Das ist ’ne Geschichte! Nein, wenn Sie sich bloß vorstellen könnten, wie mich das alles aufgeregt hat.“
„Nein, sagen Sie was Sie wollen! Hier handelt es sich nicht um die toten Seelen! Da steckt etwas ganz anderes dahinter.“
„Ich muß gestehen, ich dachte schon selbst daran,“ sagte die bloß angenehme Dame ein wenig erstaunt. Sie wurde sofort von der heftigsten Begierde gepeinigt, zu erfahren, was wohl dahinter stecken könne, und daher sprach sie gedehnt: „Und was glauben Sie, was dahinter steckt?“
„Nun, was denken Sie wohl?“
„Was ich denke ...? Ich muß sagen ich stehe wie vor einem Rätsel.“
„Ich möchte aber doch wissen, was Sie sich wohl dabei gedacht haben?“
Allein der angenehmen Dame fiel nichts ein und daher schwieg sie. Sie konnte sich bloß über die Dinge aufregen, aber feine Vermutungen und Kombinationen aufzustellen, das war nicht ihre Sache, und daher empfand sie mehr als jede andere ein starkes Bedürfnis nach zärtlicher Freundschaft, Rat und Beistand.
„Nun gut, dann will ich es Ihnen sagen, was diese toten Seelen zu bedeuten haben,“ sagte die in jeder Beziehung angenehme Dame und ihre Freundin horchte auf und war ganz Ohr; ihre Ohren spitzten sich wie von selbst. Sie richtete sich im Sitzen auf, sodaß sie das Sofa kaum noch berührte und obwohl sie etwas kompakt war, wurde sie plötzlich beinahe schlank und leicht wie Federflaum, sodaß man hätte glauben können, ein noch so leichter Lufthauch müßte sie mit sich emportragen.
So scheint ein vornehmer russischer Junker, ein Hundefreund, Jäger und Draufgänger, wenn er sich dem Walde nähert, aus dem eben ein von den Treibern halb tot gehetzter Hase herausspringt, sich mit seinem Roß und der hocherhobenen Koppelpeitsche in der Hand in einem geronnenen Augenblick in ein Pulverfaß zu verwandeln, in das im nächsten Moment der zündende Funke fallen soll. Seine Augen möchten die trübe Luft durchbohren, und für das arme Tier gibts kein Entrinnen mehr. Er setzt ihm unaufhaltsam nach, und selbst wenn tausend wirbelnde Schneefelder sich gegen ihn erhöben, die ihm mit ganzen Garben silberner Sterne Mund und Augen, Schnurrbart, Augenbrauen und die kostbare Bibermütze überschütteten.