„Ich kann nur eins nicht verstehen,“ sagte die bloß angenehme Dame, „wie Tschitschikow, der doch hier nur auf der Durchreise ist, sich zu einem so tollkühnen Abenteuer entschließen konnte. Er muß doch irgend welche Helfershelfer haben.“

„Und Sie glauben wohl er hat keine?“

„Und was meinen Sie, wer könnte ihm dabei helfen?“

„Nun, zum Beispiel — Nosdrjow!“

„Glauben Sie wirklich — Nosdrjow?“

„Warum nicht. Der ist doch zu allem fähig. Wissen Sie denn nicht, er hat seinen leiblichen Vater verkaufen oder richtiger am Kartentisch verspielen wollen.“

„Gott, was für interessante Neuigkeiten ich von Ihnen erfahre! Ich hätte nie gedacht, daß auch Nosdrjow in diese Geschichte verwickelt sei.“

„Und ich hab es mir gleich gedacht!“

„Wenn man denkt, was in der Welt alles vorfällt! Sagen Sie bloß, wer hätte es damals vermuten können, als Tschitschikow zum Besuch in unsere Stadt kam, daß er solche tolle Sprünge machen würde? Ach Anna Grigorjewna, wenn Sie wüßten, wie mich das aufregt! Wenn ich Sie nicht hätte, Ihre Freundschaft und Ihre Güte .... Ich stände wirklich wie vor einem Abgrund .... Wo sollte ich nur hin? Meine Maschka schaut mich an, sieht daß ich bleich bin wie der Tod, und sagt zu mir: ‚Liebe gnädige Frau, Sie sind ja bleich wie der Tod!‘ Und ich sage ihr noch: ‚Ach Maschka, mir gehen jetzt ganz andere Gedanken im Kopf herum!‘ Nein so etwas! Und der Nosdrjow steckt auch dahinter! Schöne Geschichte das!“

Die angenehme Dame brannte darauf, noch weitere Details über die Entführung d. h. etwas über den Tag, die Stunde und so weiter zu erfahren, aber sie verlangte zu viel. Die in jeder Beziehung angenehme Dame erklärte ganz einfach, sie wüßte nichts darüber. Und sie log niemals: eine kühne Hypothese aufstellen — das war eine andre Sache, aber auch dies gelang ihr nur dann, wenn diese Hypothese auf einer tiefen inneren Überzeugung beruhte; war diese innere Überzeugung aber wirklich vorhanden, dann verstand es die Dame auch für sie einzustehen, da hätte es der größte Advokat, der berühmteste Wortfechter und Sieger über fremde Überzeugungen nur versuchen sollen, sich mit ihr im Wettkampfe zu messen —: hier hätte er erst gemerkt, was das bedeutet: eine innere Ueberzeugung.