„Aber das ist doch ein ganz christliches Werk, Väterchen,“ fuhr Karobotschka fort. „Heute verkaufe ich Ihnen was und morgen werden vielleicht Sie mir etwas verkaufen wollen. Sehen Sie, wenn wir uns gegenseitig übers Ohr hauen, wo blieben da Recht und Gerechtigkeit? Das wäre doch eine Sünde gegen Gott!“

„Ich bin aber doch kein Kaufmann, Mütterchen, ich bin Gerichtspräsident!“

„Gott weiß, vielleicht sind Sie wirklich der Gerichtspräsident. Ich kann das doch nicht wissen. Nun also? Ich bin doch eine arme Witwe? Warum fragen Sie mich denn so aus? Nein, Väterchen, ich sehe, daß Sie selbst ... auch ... welche kaufen wollen.“

„Mütterchen, ich rate Ihnen, sich an den Arzt zu wenden,“ sagte der Gerichtspräsident wütend. „Bei Ihnen scheint’s wirklich dort oben nicht ganz richtig zu sein“ — fuhr er fort, indem er mit dem Finger auf seine Stirn zeigte. Mit diesen Worten stand er auf und ging hinaus.

Karobotschka aber blieb dabei, daß sie es mit einem Kaufmann zu tun gehabt habe und wunderte sich bloß, wie unfreundlich und bösartig die Leute heutzutage geworden seien, und wie schwer es doch eine arme Witwe auf dieser Welt habe. Der Präsident aber gelangte mit Mühe und Not, von unten bis oben mit Kot bespritzt, nach Hause, nachdem ihm unterwegs noch ein Wagenrad gebrochen war. Das war das Resultat dieser unfreundlichen und erfolglosen Reise, wenn man nicht noch die Beule am Kinn mitrechnen wollte, die er sich mit seinem Stock beigebracht hatte. In der Nähe seines Hauses traf er den Staatsanwalt, der ihm in einer Kutsche entgegengefahren kam. Er schien sehr schlechter Laune zu sein und ließ den Kopf hängen.

„Nun was haben Sie von Sabakewitsch erfahren?“

Der Staatsanwalt senkte das Haupt und versetzte: „In meinem ganzen Leben bin ich noch nicht so behandelt worden.“ ...

„Wieso?“

„Er hat mir einen Fußtritt gegeben,“ sagte der Staatsanwalt mit betrübter Miene.

„Wie?“