Bald darauf erschien der Verwalter. Das war ein Mann von etwa vierzig Jahren; er hatte ein glattrasiertes Kinn und einen Gehrock an, offenbar führte er ein sehr ruhiges Leben, denn sein Gesicht war rundlich und wohlgenährt, die gelbe Hautfarbe und die kleinen Äuglein waren ein Beweis dafür, daß er mit weichen Daunendecken und Plumeaus aufs beste vertraut war. Man sah sofort, daß er seine Laufbahn vollendet hatte, gleich allen Leibeigenen, die die Güter ihrer Herrn verwalten; erst war er ein gewöhnlicher Junge gewesen, der im Hause seines Herrn aufgewachsen und Lesen und Schreiben gelernt hatte; dann hatte er irgend eine Agaschka, die Wirtschafterin war und bei der Hausfrau in besonderer Gunst stand, geheiratet, und war dann selbst Hausmeister und endlich Verwalter geworden. In seinem neuen Amt als Verwalter benahm er sich natürlich genau so wie alle Verwalter: er verkehrte und befreundete sich mit den reicheren Leuten im Dorf, legte den Ärmeren noch neue Lasten auf, stand morgens früh gegen neun Uhr auf, wartete auf seine Teemaschine und trank Tee.
„Hör mal, mein Lieber! Wieviel Bauern sind bei uns gestorben, seit wir die Revisionsliste zum letztenmal eingereicht haben?“
„Wie meinen Sie das. Wie viele? Seitdem sind viele gestorben,“ sagte der Verwalter, rülpste und hielt sich die Hand wie ein Schild vor den Mund.
„Ja, ja, das habe ich mir auch gedacht,“ nahm jetzt Manilow das Wort, „es sind sehr viele gestorben!“ Hierbei wandte er sich an Tschitschikow, indem er noch hinzufügte: „Wirklich sehr viele!“
„Und wieviel werden es ungefähr sein?“ fragte Tschitschikow.
„Ja, wie viele ungefähr?“ fiel Manilow ein.
„Ja, wie soll ich sagen — wie viele ungefähr. Das weiß man ja nicht, wie viele gestorben sind. Niemand hat sie gezählt.“
„Natürlich,“ sagte Manilow, indem er sich an Tschitschikow wandte, „das dachte ich mir gleich, die Sterblichkeit war sehr groß; wir wissen gar nicht, wie viele gestorben sind.“
„Bitte, zähle sie doch einmal,“ sagte Tschitschikow, „und stelle mir ein ausführliches Verzeichnis aller Namen auf.“
„Jawohl, aller Namen!“ sagte Manilow.