„Hast du aber einen schönen Kasten, Väterchen!“ sagte sie, indem sie sich neben ihn setzte, „den hast du wohl in Moskau gekauft?“
„Ja, in Moskau,“ antwortete Tschitschikow und fuhr fort zu schreiben.
„Ich weiß, dort kriegt man’s nur gut. Vor zwei Jahren hat meine Schwester gefütterte Stiefel für die Kinder von dort mitgebracht. Vortreffliche Ware! So dauerhaft! Sie tragen sie noch heute. Ach, hast du viel Stempelpapier,“ fuhr sie fort, während sie einen Blick in die Schatulle warf. Und in der Tat, es war sehr viel Papier darin. „Du könntest mir ein paar Bogen schenken. Bei mir herrscht solch ein Mangel daran. Es kommt doch vor, daß man ein Schreiben ans Gericht zu senden hat. Dann ist immer kein Papier da.“
Tschitschikow erklärte ihr, das sei kein Papier, wie sie es wünschte. Es sei nur für Kaufkontrakte, und nicht für Gesuche geeignet. Übrigens gab er ihr, um sie zu beruhigen, einen Bogen im Werte von einem Rubel. Nachdem er seinen Brief vollendet hatte, ließ er sie unterschreiben und bat sie um ein kurzes Verzeichnis der Bauern. Es stellte sich heraus, daß die Gutsbesitzerin gar keine Listen über ihre Bauern führte, sondern ihre Namen nur auswendig wußte. Er forderte sie auf, ihm diese zu diktieren. Mehrfach geriet er in höchstes Erstaunen über ihre Familiennamen und mehr noch über ihre Spitznamen, sodaß er jedesmal beim Hören ein wenig innehielt, ehe er sie niederschrieb. Einen besondern Eindruck machte auf ihn ein gewisser Peter Saweljew genannt der Waschtrogverächter, sodaß er sich nicht enthalten konnte, auszurufen: „Ist das aber ein langer Kerl!“ Ein anderer trug den Beinamen Kuhfladen. Ein dritter wurde einfach Johann das Rad genannt. Nachdem er mit dem Schreiben fertig war, sog er die Luft tief durch die Nase ein und roch den Duft einer in Butter schmorenden Speise.
„Bitte bedienen Sie sich,“ sagte die Wirtin. Tschitschikow sah sich um und bemerkte, daß der Tisch mit leckeren Gerichten reich besetzt war; da gab es Pilze, Gebäck, Spiegeleier, Pfannkuchen, Käsekeulchen, Splittertörtchen und Fladen mit allerhand Pastetchen: Pastetchen mit Zwiebeln, Pastetchen mit Mohn, Pastetchen mit Quark, Pastetchen mit Stinten und weiß Gott, was sonst noch alles.
„Bitte, vielleicht eine Eierpastete aus Butterteig gefällig?“ sagte die Wirtin.
Tschitschikow rückte näher an die Eierpastete aus Butterteig heran, und sprach sich sehr lobend über sie aus, nachdem er eine gute Hälfte von ihr verspeist hatte. Und in der Tat, die Pastete war schon an und für sich nicht übel; nach all den Plackereien und dem Geplänkel mit der Alten aber schmeckte sie noch weit vorzüglicher.
„Nehmen Sie Pfannkuchen?“ sagte die Wirtin. Als Antwort auf diese Frage, spießte Tschitschikow gleich drei Pfannkuchen auf, rollte sie zusammen, tauchte sie in die geschmolzene Butter und beförderte sie in den Mund, worauf er sich Lippen und Hände mit der Serviette abwischte. Nachdem er dieses etwa dreimal wiederholt hatte, bat er die Hausfrau die Pferde anspannen zu lassen. Nasstassja Petrowna schickte Fetinja sofort in den Hof hinunter, und trug ihr zugleich auf, noch ein paar heiße Pfannkuchen mitzubringen.
„Ihre Pfannkuchen sind ausgezeichnet, Mütterchen,“ sagte Tschitschikow, indem er sich über die frischen Pfannkuchen hermachte.
„Ja, das versteht meine Köchin sehr gut,“ versetzte die Hausfrau, „leider war nur die Ernte so schlecht, und das Mehl ist nicht so gut geraten. Aber warum eilen Sie so? Väterchen?“ fuhr sie fort, als sie sah, daß Tschitschikow schon seinen Hut in der Hand hielt, „der Wagen ist ja noch gar nicht fertig.“