Vor dem Teufel war die Gutsbesitzerin aufs höchste entsetzt.

„Ach, sprich mir nicht von ihm! Gott mit ihm!“ rief sie aus und erbleichte. „Noch die ganze vorige Nacht hab ich ihn fortwährend im Traume gesehen, den Verfluchten. Ich wollte mir nach dem Gebet noch einmal die Karten legen. Da hat ihn mir Gott offenbar zur Strafe hergesandt. So greulich sah er aus. Seine Hörner waren länger als die eines Ochsen.“

„Ich wundere mich, daß sie Ihnen nicht zu Dutzenden erscheinen! Mich leitet nichts wie die reinste Christenliebe; ich sehe eine arme Witwe, die sich plagt und Not leidet ... Daß du doch krepiertest zusamt deinem Gute.“

„Ach, was für schreckliche Flüche du da ausstößt,“ sagte die Alte und sah ihn entsetzt an.

„Wahrhaftig, es fehlen einem ja die Worte, rein wie ein — entschuldigen Sie den harten Ausdruck — wie ein Kettenhund, der auf seinem Stroh liegt; frißt das Stroh selbst nicht und läßt doch keinen andern ran. Ich wollte Ihnen allerhand von Ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen abkaufen, weil ich ja auch Lieferungen für den Staat übernehme ...“ Hier log er etwas hinzu, so ganz nebenher, und ohne es sich recht überlegt zu haben, aber sehr geschickt.

Diese Lieferungen für den Staat machten einen tiefen Eindruck auf Nastassja Petrowna; wenigstens sagte sie mit beinahe flehender Stimme: „Warum wirst du denn gleich so zornig? Hätte ich früher gewußt, daß du so wild werden kannst, dann hätte ich lieber garnicht widersprochen.“

„Ach was, ich bin garnicht zornig! Die ganze Sache ist keine ausgepreßte Zitrone wert. Und ich sollte mich ärgern?“

„Schön, schön, ich will sie dir ja für 15 Rubelscheine lassen. Nur eins, Väterchen, vergiß mich nicht bei den Lieferungen, wenn du etwa Roggen oder Gerstenmehl oder Buchweizen oder Fleisch brauchen solltest.“

„Nein, nein, Mütterchen, ich werde dich schon nicht vergessen,“ sagte er, während er sich den Schweiß mit der Hand abtrocknete, der in drei Sturzbächen über sein Gesicht floß. Er erkundigte sich bei ihr, ob sie nicht in der Stadt einen Vertrauensmann beim Gericht, einen Vertreter oder einen Bekannten habe, den sie zum Abschluß des Kaufkontraktes und aller übrigen notwendigen Maßnahmen bevollmächtigen könnte. „Gewiß, den Probst, Vater Kirill; sein Sohn ist am Gericht,“ sagte Karobotschka. Hierauf bat Tschitschikow sie, ihm eine Vollmacht zu schicken, ja er übernahm es sogar, diese selbst aufzusetzen, um der Alten jegliche unnütze Arbeit zu ersparen.

„Es wäre doch gut,“ dachte unterdes Karobotschka, „wenn er mir etwas Mehl und Vieh für den Staat abnähme. Ich muß ihn für mich gewinnen. Es ist noch etwas Teig von gestern abend da. Ich will mal hingehen und der Fetinja sagen, sie soll Pfannkuchen backen. Auch eine Eierpastete von Butterteig wäre nicht übel. Die macht sich sehr gut, und es nimmt nicht viel Zeit weg.“ Damit ging die Hausfrau hinaus, um ihren Plan mit der Pastete auszuführen und ihn noch durch andere Produkte der häuslichen Koch- und Backkunst zu ergänzen. Tschitschikow aber ging in den Salon, in dem er die Nacht zugebracht hatte, um die notwendigen Papiere aus seiner Schatulle zu holen. Das Zimmer war schon längst aufgeräumt, die üppigen Plumeaus und Unterbetten waren hinausgeschafft. Vor dem Sofa stand ein Tisch mit einer Decke darauf. Er setzte seine Schatulle auf ihn und ließ sich auf das Sofa nieder, um ein wenig auszuruhen; denn er fühlte, daß er ganz in Schweiß gebadet sei: alles, was er am Leibe trug, vom Hemd bis zu den Strümpfen, war vollständig naß. „Hat die mir zugesetzt, die verfluchte Alte,“ sagte er, nachdem er ein wenig ausgeruht hatte, und öffnete die Schatulle. Der Autor ist überzeugt, daß mancher Leser neugierig sein wird, den Plan und die innere Fächereinteilung der Schatulle kennen zu lernen. Meinetwegen, warum sollte ich diese Neugierde nicht befriedigen. Also, da habt ihr sie, die Einteilung; in der Mitte befindet sich der Seifennapf; auf den Seifennapf folgen sechs bis sieben schmale Fächer für die Rasiermesser. Dann kommen zwei viereckige Behältnisse für die Streusandbüchse und das Tintenfaß. Zwischen beiden ist eine Rille für Federn, Siegellack und Gegenstände von längerer Statur. Weiter folgten allerhand Fächer mit Deckel und ohne Deckel, für die kürzeren Gegenstände, welche mit Visitenkarten, Beerdigungsanzeigen, Theaterbilleten und anderen Zetteln angefüllt waren, die hier als Reminiszenzen ruhten. Das ganze obere Kästchen mit all seinen Fächern ließ sich herausheben. Unter ihm öffnete sich ein weiter Raum, in dem Stöße von Papier in Bogengröße aufgeschichtet lagen. Darunter befand sich ein kleines verborgenes Kästchen, das sich unauffällig seitlich auftat, in dem er sein Geld zu bewahren pflegte. Dieses Kästchen wurde von seinem Besitzer stets mit einer solchen Geschwindigkeit auf- und im selben Augenblick wieder zugemacht, daß man nicht mit Sicherheit angeben konnte, wieviel Geld es enthielt. Tschitschikow ging sogleich an die Arbeit, schnitt die Feder zurecht und begann zu schreiben. In diesem Moment trat die Hausfrau ins Zimmer.