„Wie die Speisen zubereitet werden, darüber kann ich freilich nicht urteilen; aber die Schweinekoteletts und der Fisch waren vorzüglich.“
„Das ist Ihnen wohl nur so vorgekommen. Ich weiß genau, daß sie auf dem Markte einkaufen. Der Schurke von Koch, der bei einem Franzosen in der Lehre war, kauft einfach einen alten Kater, zieht ihm das Fell ab, und serviert ihn dann als Hasen.“
„Pfui! Was für häßliche Sachen du da erzählst!“ sagte Sabakewitschs Gattin.
„Was kann ich dafür, Schätzchen! So macht man’s nun einmal dort; ich bin doch nicht schuld, daß das bei all den Leuten so Sitte ist. Alle Abfälle, alles was unsere Akula mit Verlaub zu sagen in den Mülleimer wirft, das tun die in die Suppe. Immer rein, alles rein.“
„Immer redest du bei Tisch solche Sachen!“ warf wiederum Frau Sabakewitsch ein.
„Was schadet denn das, Schätzchen,“ versetzte Sabakewitsch. „Ja wenn ich’s noch selbst so machte, aber ich sage dir’s ganz offen: solch ein ekelhaftes Zeug würde ich nie essen. Nie würde ich einen Frosch in den Mund nehmen, und wenn er in Zucker kandiert wäre, ebensowenig wie eine Auster; ich weiß ganz gut wie so’ne Auster aussieht. Bitte nehmen Sie doch noch ein Stück Hammelbraten,“ fuhr er fort, indem er sich an Tschitschikow wandte. „Das ist Hammellende mit Brei, und kein Frikassé, wie es die vornehmen Herren lieben, wozu man Hammelfleisch nimmt, das schon vier Tage lang auf dem Markte herumliegt. Das sind alles Finessen, wie sie die Herrn Doktoren, die Deutschen und Franzosen erfunden haben; ich würde sie dafür am liebsten alle hängen lassen. Die Diät — das ist auch so eine von ihren Erfindungen. Schöne Methode das — einen mit Hunger zu kurieren. Weil sie selbst eine so dünnblütige Natur haben, bilden sie sich ein, sie könnten auch mit dem russischen Magen fertig werden. Nein, das ist alles nichts Richtiges — das sind lauter Torheiten, das ist alles ...“ Hierbei schüttelte Sabakewitsch sogar zornig den Kopf. „Da reden sie immer von Aufklärung, und doch ist ihre Aufklärung nichts als ein .... ff ....! Ich hätte fast was gesagt, aber sowas schickt sich ja nicht bei Tische. Bei mir ist das ganz anders. Wenn’s bei mir Schweinebraten oder Gansbraten gibt, dann kommt gleich ein ganzes Schwein oder eine ganze Gans auf den Tisch. Lieber will ich nur zwei Gerichte haben, aber mich dafür auch ordentlich satt essen, bis die liebe Seele Ruhe hat.“ Und Sabakewitsch unterstützte seine Worte eindrucksvoll durch die Tat: er legte sich den halben Hammelrücken auf den Teller, schlang ihn hinunter und nagte noch die Knochen ab, bis nichts mehr übrig blieb.
„Ja, ja,“ dachte Tschitschikow, „der weiß auch, was gut tut.“
„Bei mir ist das anders,“ sagte Sabakewitsch, indem er sich die Hände mit der Serviette abwischte: „ich bin nicht so, wie irgend ein Pljuschkin; der hat 800 Seelen und lebt und ißt dabei schlechter als unser Kuhhirt.“
„Wer ist dieser Pljuschkin?“ fragte Tschitschikow.
„Ein Hallunke,“ versetzte Sabakewitsch. „So ein Geizhals, das kann man sich gar nicht einmal vorstellen. Die Zuchthäusler leben noch besser als der: er läßt ja all seine Leute verhungern.“