Tschitschikow bat um die Liste der Bauern. Sabakewitsch war einverstanden; er begab sich ins Büro, um die Bauernseelen aufzuschreiben, die er nicht nur alle namentlich aufzählte, sondern auch durch Aufzählung all ihrer Vorzüge charakterisierte. Unterdessen musterte Tschitschikow, da er nichts Besseres zu tun hatte, die voluminöse Silhouette seines Wirtes. Als er seinen Rücken, der so breit war wie der eines kurzstämmigen Wjatkapferdes, und seine Füße erblickte, welche große Ähnlichkeit mit ein paar Chausseepfeilern hatten, konnte er sich nicht enthalten auszurufen:
„Hat dich aber der liebe Gott verschwenderisch ausgestattet, da kann man wirklich sagen, schlecht zugeschnitten aber gut genäht, wie es im Sprichwort heißt. Bist du gleich als ein solcher Bär geboren, oder haben dich das Leben in der Wildnis, die Landwirtschaft, die Scherereien mit den Bauern dazu gemacht, daß du jetzt das geworden bist, was man einen Halsabschneider nennt; doch nein, ich glaube, du warst immer derselbe und wärst es auch geblieben, selbst wenn du in Petersburg die neueste, modernste Erziehung genossen hättest und dann erst losgegangen wärest, selbst wenn du dein ganzes Leben lang in Petersburg und nicht in der Wildnis gelebt hättest. Der ganze Unterschied besteht nur darin, daß du jetzt deinen halben Hammelrücken mit Brei nebst einem Käsekuchen von der Größe eines Suppentellers verschlingst, während du dort Kottelets mit Trüffeln zu Mittag gegessen hättest. Dafür herrschest du jetzt friedlich über deine Bauern, mit denen du so gut auskommst, und die du natürlich nicht kränkst und nicht zu kurz kommen läßt. Sind sie doch dein Eigentum, und du selbst hättest ja nur den Schaden davon, wenn du anders handeltest. Dort in der Stadt aber würdest du über Beamte herrschen, die du kräftig schuriegeln würdest, da du ja wüßtest, daß sie nicht deine Leibeigenen sind, und du tätest die Krone nach Noten plündern. Wer nun mal eine Teufelsfaust besitzt, dem glättest du sie nicht zum Sammetpfötchen. Und biegst du ihm auch einen oder zwei Finger gerade, um so mehr ist der Teufel los. Hat er erst einmal ein paar Tropfen von irgend einer Kunst oder Wissenschaft genippt und hat er sich zu einer hervorragenderen Gesellschaftsstellung emporgeschwungen, dann wehe denen, welche tatsächlich etwas von dieser Kunst und Wissenschaft verstehen; dann fällt es ihm wohl gar noch ein zu sagen, ich muß euch doch mal zeigen, wer ich bin. Und dann läßt er euch plötzlich eine so weise Verordnung vom Stapel, daß vielen Hören und Sehen vergeht. O, wenn doch alle diese Halsabschneider ...!“
„Die Liste ist fertig,“ sagte Sabakewitsch mit einer Wendung des Kopfes.
„Fertig? Bitte geben Sie sie doch einmal her!“ Er überflog sie und war erstaunt, mit welcher Genauigkeit und Pünktlichkeit sie aufgestellt war: nicht allein daß der Beruf, das Handwerk, das Alter und die Familienverhältnisse sorgfältig registriert waren, am Rande standen auch noch besondere Notizen über das Betragen, die Nüchternheit usw. des Betreffenden. Mit einem Wort, es war eine wahre Freude, die Liste anzusehen.
„Und nun bitte ich Sie um eine kleine Anzahlung,“ sagte Sabakewitsch.
„Wozu eine Anzahlung? Sie bekommen die ganze Summe in der Stadt.“
„Na, Sie wissen doch, es ist mal so Sitte,“ wandte Sabakewitsch ein.
„Ich weiß nicht, wie ich es machen soll? Ich habe leider kein Geld mitgenommen. Übrigens hier, nehmen Sie diese zehn Rubel!“
„Ach was zehn! Geben Sie wenigstens fünfzig!“
Tschitschikow machte allerhand Ausflüchte, er habe nicht soviel Geld bei sich usw.; aber Sabakewitsch erklärte so kategorisch, er habe doch welches, daß jener endlich noch einen Zettel aus der Tasche zog und sagte: „Na, meinetwegen! da haben Sie noch fünfzehn. Das macht also im ganzen fünfundzwanzig. Ich bitte jedoch um eine Quittung.“