„Ihr Bedauern nützt mir leider nichts! Ich kann es doch nicht in den Beutel stecken!“ sagte Pljuschkin. „Sehen Sie, da wohnt neben mir ein Hauptmann. Weiß der Teufel, wie der hier hereingeschneit ist. Will ein Verwandter von mir sein: das geht immer Onkelchen hin, Onkelchen her, und dabei küßt er mir stets die Hand; wenn der anfängt einem seine Teilnahme zu äußern, dann erhebt er ein wahres Geheul, daß man sich rein die Ohren zuhalten möchte. Der Mann hat ein ganz blaurotes Gesicht, er liebt wohl die Branntweinflasche zu sehr. Wird sein Geld beim Regiment durchgebracht haben, oder irgend eine Schauspielerin hat es ihm aus der Tasche gelockt. Das wird der Grund sein, warum er so mitleidig ist!“
Tschitschikow versuchte ihm zu erklären, daß seine Teilnahme ganz anderer Art als die des Hauptmanns, und daß er bereit sei, sie nicht allein mit Worten sondern auch durch die Tat zu beweisen; er schob daher die Sache nicht länger auf und erklärte ohne alle Umschweife seine Bereitwilligkeit, die schwere Pflicht der Steuerzahlung für sämtliche Bauern, die durch einen so unglücklichen Zufall hinweggerafft worden wären, auf sich nehmen zu wollen. Dieses Angebot brachte Pljuschkin anscheinend völlig aus der Fassung. Seine Augen quollen hervor und starrten ihr Gegenüber lange Zeit unverwandt an. Endlich sagte er: „Waren Sie etwa beim Militär?“
„Nein!“ antwortete Tschitschikow schlau ausweichend, „ich war nur im Zivildienst tätig.“
„Im Zivildienst!“ wiederholte Pljuschkin und kaute dabei an seinen Lippen, wie wenn er einen Bissen im Munde hätte. „Ja, wie denn nur? Das wäre ja doch nur zu Ihrem eigenen Schaden.“
„Ihnen zu Gefallen würde ich selbst diesen Schaden auf mich nehmen.“
„Ach, Väterchen! Ach, du mein Wohltäter!“ rief Pljuschkin aus, ohne in seiner Freude zu merken, daß ihm ein Stückchen Schnupftabak wie dicker Kaffeesatz aus der Nase quoll, was keinen gerade malerischen Anblick bot, und daß die zurückgeschlagenen Schöße seines Schlafrockes die Unterkleidung sehen ließen, welche auch nicht appetitlich anzuschauen war. „Sie tun ein gutes Werk an einem armen Greise! O, du mein Gott, du mein Heiland!“ Mehr brachte Pljuschkin nicht heraus. Aber es verging keine Minute, als die Freude, die so plötzlich in den erstarrten Zügen aufgeleuchtet war, ebenso schnell wieder verlosch, ohne eine Spur zu hinterlassen, und sein Gesicht nahm wieder den alten besorgten Ausdruck an. Er wischte es sich sogar mit dem Taschentuch ab, ballte es zu einem Klumpen zusammen und rieb sich damit die Oberlippe.
„Wollen Sie denn wirklich — ich möchte Sie unter keinen Umständen erzürnen — mit Verlaub zu sagen, jedes Jahr diese Steuern bezahlen? Und soll ich oder die Krone das Geld erhalten?“
„Wissen Sie was? das machen wir einfach so: wir schließen einen Kaufkontrakt miteinander ab, als ob sie noch am Leben wären und Sie sie mir verkauft hätten.“
„Ja, einen Kaufkontrakt ...“ sagte Pljuschkin, wurde ein wenig nachdenklich und begann wieder an seinen Lippen zu kauen. „Sie sagen, einen Kaufkontrakt — das macht wieder neue Unkosten! Die Beamten beim Gericht sind so unverschämt! Früher waren sie schon mit einem halben Rubel in Kupfer und einem Sack Mehl dazu abzufinden. Jetzt aber verlangen sie gleich eine ganze Fuhre Gerste und noch einen roten Lappen als Zugabe. So geldgierig sind sie heutzutage. Ich begreife garnicht, daß das niemand an die Öffentlichkeit bringt. Wenn man ihnen doch wenigstens eine Moralpredigt halten wollte. Mit einem guten Wort kann man schließlich jeden breitschlagen. Man mag sagen, was man will: einer tüchtigen Moralpredigt widersteht niemand!“
„Na na, du würdest ihr gewiß widerstehen,“ dachte Tschitschikow; aber er fügte gleich darauf laut hinzu, daß er aus persönlicher Hochachtung für ihn bereit sei, auch die Kosten des Kaufvertrags auf sich zu nehmen.