Als der Kutscher diese Stimme hörte, die, wie das in solchen Augenblicken wohl vorkommt, einen sehr bestimmten und energischen Klang hatte und meist von noch viel bestimmteren und energischeren Taten begleitet zu sein pflegte, neigte er vorsichtig den Kopf, schwang seine Peitsche und ließ seinen Schlitten pfeilschnell dahinsausen. In weniger als sechs Minuten hielt der Schlitten vor dem Hause der hohen Persönlichkeit. Bleich, erschrocken und ohne Mantel stieg er aus und begab sich sofort nach seinem Zimmer. Statt zu Karoline Iwanowna zu fahren, war er schleunigst zu sich nach Hause geeilt. Er verbrachte eine so schreckliche Nacht, daß seine Tochter am andern Morgen während des Tees entsetzt ausrief:
„Du bist ja heute so bleich, Papa!“
Er sagte nichts, weder von dem, was er gesehen, noch von dem, wo er gewesen war, und was er am Abend vorher hatte tun wollen. Indes machte dieses Ereignis einen tiefen Eindruck auf ihn. Von diesem Tage an fragte er seine Untergebenen nicht mehr in seiner bisherigen schroffen Art:
„Was erlauben Sie sich? Wissen Sie, wer vor Ihnen steht?“
Oder, wenn es ihm doch noch bisweilen widerfuhr, in herrischem Tone mit ihnen zu sprechen, so hörte er doch wenigstens vorher erst ihr Gesuch an.
Und wie seltsam! Von diesem Tage an zeigte sich das Gespenst nicht mehr. Augenscheinlich hatte es überhaupt keine andere Absicht gehabt, als sich den Mantel des General-Direktors anzueignen. Jedenfalls hörte man von nun an nichts mehr davon, daß den Leuten ihre Mäntel geraubt wurden. Allerdings gab es noch einige ängstliche und übereifrige Personen, die sich durchaus nicht beruhigen wollten und behaupteten, daß sich das Phantom noch immer und zwar in andern entlegeneren Stadtvierteln zeige ... Und in der Tat, ein Wachtposten wollte sogar mit eigenen Augen gesehen haben, wie es an einem Hause vorübergeeilt war. Der Posten war jedoch von Natur ein wenig schwächlich — hatte doch sogar ein gewöhnliches ausgewachsenes Ferkel, das aus einem Privathause ausgebrochen war, ihn zur größten Freude und Erheiterung der herumstehenden Droschkenkutscher einmal ganz einfach umgeworfen. Dafür ließ er sich freilich nachher von jedem einen Groschen für Tabak geben, um sie zu strafen, weil sie sich über ihn lustig gemacht hatten. Da er also ein solcher Schwächling war, wagte er es nicht, das Gespenst zu verhaften, sondern begnügte sich damit, ihm in der Dunkelheit nachzuschleichen. Da aber drehte sich das Gespenst plötzlich um und schrie ihn an: „Was willst du?“ wobei es ihm eine so schreckliche Faust zeigte, wie man sie sogar bei einem Lebenden nicht so leicht zu sehen bekommt.
„Nichts,“ antwortete der Wachtposten und nahm eiligst Reißaus.
Dieser Schatten war jedoch schon bedeutend größer als der des Titular-Rats und trug einen enormen Schnauzbart. Er schien mit mächtigen Schritten der Obuhoffbrücke zuzueilen und verschwand gleich darauf in der dunklen Nacht.