„Zu Karoline Iwanowna!“
Sorgfältig in seinen warmen Mantel eingehüllt, befand er sich in der angenehmsten Stimmung, die sich ein Russe nur wünschen mag, einer Stimmung, wo man selbst an nichts denkt und sich der Geist doch in einem Kreislauf von Gedanken bewegt, von denen die einen immer wohltuender sind als die anderen, und wo man sich garnicht die Mühe zu nehmen braucht, nach ihnen zu suchen oder sie festzuhalten. Er dachte an die glücklichen Stunden, die er soeben in so angenehmer Gesellschaft verbracht hatte, an die geistreichen Bemerkungen, die den kleinen Kreis zu lautem Lachen gereizt und die er halblaut kichernd wiederholte. Hierbei fand er, daß sie noch genau so komisch waren wie damals, als er sie zum ersten Male gehört hatte, und er wunderte sich daher nicht im mindesten darüber, daß er so herzhaft hatte lachen müssen.
Von Zeit zu Zeit störte ihn ein heftiger Windstoß, der ihn plötzlich ganz unmotiviert anwehte und ihm ganze Schneehaufen ins Gesicht schleuderte, in seinen Betrachtungen. Der Nord pfiff durch seinen Mantel, blähte ihn wie ein Segel auf, schlug ihm den Kragen um die Ohren und nötigte ihn, seine ganze Kraft zusammenzunehmen, um sich wieder aus ihm herauszuwinden.
Plötzlich fühlte die hohe Persönlichkeit, wie eine machtvolle Hand sie am Kragen packte. Sie wandte sich um und bemerkte einen kleinen, mit einer alten Uniform bekleideten Mann. Entsetzt erkannte sie Akaki Akakiewitschs Züge, und diese Züge waren bleich wie der Schnee und abgezehrt wie die eines Toten.
Aber wer beschreibt den Schrecken der hohen Persönlichkeit, als sie bemerkte, daß sich der Mund des Toten in krampfhaften Zuckungen verzog, den Direktor mit eisigem Grabeshauche anblies und in folgende Worte ausbrach:
„Endlich habe ich dich ... endlich kann ich dich am Kragen packen. Ich will meinen Mantel. Du hast dich nicht um mich gekümmert, als ich in Nöten war, und mich nur mit Schmähungen überhäuft. — Nun sollst du mir deinen Mantel geben!“
Der arme hohe Beamte war ein Kind des Todes. In seinem Bureau vor seinen Untergebenen fehlte es ihm sicher nicht an Mut und Charakterstärke; er brauchte nur einen Subalternen streng anzusehen, und schon rief jeder, der einen Blick auf seine kräftige Gestalt und sein imponierendes Äußeres warf: „Welch ein Charakter!“
Aber wie bei so vielen anderen hochmütigen Beamten offenbarte sich sein Heldentum nur in seiner äußeren Erscheinung, und in diesem Augenblick war er so erschrocken, daß er sogar um seine Gesundheit fürchten mußte.
Mit zitternder Hand zog er sich selbst seinen Mantel aus und rief seinem Kutscher zu:
„Schnell nach Hause! Schnell!“