Aber der Kollegien-Assessor ließ sich nichts merken.
„Gut! vortrefflich! der Teufel soll ihn holen!“ murmelte Kowalew.
Auf der Straße begegnete er Frau Podtotschina, der Gattin eines höheren Offiziers nebst ihrer Tochter; er machte eine tiefe Verbeugung und wurde mit den freudigsten Ausrufen begrüßt. Er unterhielt sich längere Zeit mit ihnen, nahm eine Prise aus seiner Tabaksdose und stopfte sie sich mit Absicht in ihrer Gegenwart in beide Nasenlöcher, indem er sich dachte:
„Da habt ihr’s! Ihr Weiber, ihr seid Gänse! Ich denke ja garnicht daran, mich mit deiner Tochter zu verheiraten! Par amour — na, meinetwegen! Das ginge noch allenfalls.“
Und der Major Kowalew zeigte sich, als ob nichts geschehen wäre, auf dem Newski-Prospekt, in den Theatern und überall. Seine Nase saß, wie wenn nichts vorgefallen wäre, fest in seinem Gesicht, und niemand sah es ihr an, daß sie einst so weit umhergeirrt war. Und seitdem sah man Major Kowalew stets in guter Laune, er lachte und blickte mit leidenschaftlichem Interesse allen schönen Frauen nach. Einmal sah man ihn sogar im Laden von Gostini Dwor ein Ordensband kaufen; zu welchem Zwecke dies geschah, das wußte freilich niemand, denn er war ja garnicht Ritter eines Ordens.
Das ist die Geschichte, die sich in der nördlichen Hauptstadt unseres großen Reiches abgespielt hat. Jetzt finden wir allerdings bei näherer Überlegung viel Unwahrscheinliches in ihr. Ohne davon zu sprechen, daß es doch höchst sonderbar ist, wenn eine Nase verschwindet und an verschiedenen Stellen in Gestalt eines Staatsrates auftaucht, — wie konnte Kowalew nicht begreifen, daß man doch nicht durch die Amtszeitung nach einer Nase suchen darf? Ich will hier garnicht einmal den hohen Preis erwähnen, den man für ein Inserat bezahlen muß. Das ist eine Kleinigkeit. Denn ich gehöre ganz und gar nicht zu den habgierigen Leuten. Aber so etwas ist doch unschicklich, lächerlich und töricht!
Und dann noch dies: wie geriet die Nase in ein Brot, und wie konnte Iwan Jakowlewitsch selbst ...? Nein, das werde ich nie und nimmer begreifen; wahrhaftig, das verstehe ich nicht! Was aber noch erstaunlicher und noch unverständlicher ist, das ist der Umstand, daß sich Autoren solche Gegenstände wählen können. Man muß zugeben, daß das in der Tat ganz unbegreiflich ist. Geradezu ... nein, nein! Ich verstehe auch nicht ein Wort davon! Erstens bringt es dem Vaterland nicht den geringsten Nutzen, und zweitens ... aber auch zweitens hat niemand einen Vorteil davon. Ich weiß einfach nicht, was das für einen Sinn hat.
Und dennoch und trotz alledem läßt sich letzten Endes vielleicht doch eins oder das andere oder das dritte davon begreifen! Denn schließlich, wo stößt man denn nicht auf Unbegreifliches? Und wenn man ordentlich über alles nachdenkt, so bleibt sicher doch wenigstens etwas davon bestehen. Man mag sagen, was man will: derartige Dinge kommen in der Welt vor — wenngleich höchst selten, aber sie kommen vor.