„Ja, ja, der ist schnellfüßig!“ sagten die Bauern und kratzten sich hinter den Ohren, denn sie waren bei dem langen Weiberregiment des früheren Verwalters allesamt in Trägheit und Müßiggang verfallen. Aber das dauerte nicht lange.
[6.] Variante der andern Fassung.
Bisweilen sieht wohl ein Mensch etwas Ähnliches im Traume und dann träumt er sein ganzes Leben lang davon, (die Wirklichkeit versinkt ihm für alle Zeiten) und er ist zu nichts mehr zu brauchen. Ihr Name war Ulinka. Sie hatte eine merkwürdige Erziehung genossen. Sie war von einer englischen Gouvernante erzogen worden, die kein Wort Russisch verstand. Ihre Mutter war schon früh gestorben, und ihr Vater hatte keine Zeit, sich viel um sie zu kümmern. Übrigens konnte es bei seiner unsinnigen Liebe zu seiner Tochter nicht anders kommen, als daß er sie verwöhnte. Es ist außerordentlich schwer ein Bild von ihr zu geben. Sie hatte etwas Lebendiges wie das Leben selbst. Sie war eigentlich mehr lieblich als schön und gütig als klug; sie war schlanker und ätherischer als ein klassisches Frauenbildnis. Man hätte unmöglich sagen können, welches Land ihr seinen Stempel aufgedrückt habe, denn man hätte nicht so leicht ein ähnliches Profil und ähnliche Gesichtszüge finden können, es sei denn auf antiken Kameen. Da sie in voller Freiheit aufgewachsen war, war alles an ihr eigenartig und urwüchsig. Wenn jemand gesehen hätte, wie ein plötzlicher Zorn strenge Falten in ihre herrliche Stirne grub, und wie sie sich leidenschaftlich mit ihrem Vater stritt, er hätte glauben können, dies sei das launischste Geschöpf von der Welt. Aber sie wurde nur dann zornig, wenn sie davon hörte, daß ein anderer ungerecht oder grausam behandelt worden war. Wie schnell jedoch wäre dieser Zorn verschwunden, wenn sie denselben Menschen, dem sie zürnte, im Unglück gesehen hätte. Wie hätte sie ihm da ihren Geldbeutel zugeworfen, ohne darüber nachzudenken, ob dies klug oder dumm sei, wie hätte sie ihr Kleid in Stücke gerissen, um ihn zu verbinden, wenn er verwundet gewesen wäre.
[7.] Variante der andern Fassung.
„O nein, Exzellenz,“ fiel hier Tschitschikow ein, indem er sich an Ulinka wandte. „Als Christen müssen wir gerade solche Menschen lieben.“ Und er fuhr gleich darauf mit einem verschmitzten Lächeln zum General gewendet fort: „Kennen Sie vielleicht die Geschichte, Exzellenz: Lieb’ uns so schwarz, wie wir sind, wenn wir weiß und sauber sind, wird uns jeder lieb haben.“
„Nein, ich kenne sie nicht.“
„Oh, das ist eine sehr verzwickte Geschichte,“ sprach Tschitschikow noch immer verschmitzt lächelnd. „Auf dem Gute des Fürsten Guksowski, den Eure Exzellenz sicherlich kennen ...“
„Nein, ich habe nicht das Vergnügen.“
„Lebte einmal ein Verwalter, ein junger Deutscher, Exzellenz. Eines Tages mußte er wegen der Rekrutenaushebung usw. nach der Stadt fahren. Natürlich mußten die Richter tüchtig geschmiert werden. Übrigens gewannen sie ihn gleichfalls lieb und nahmen ihn sehr freundlich auf. Einmal war er bei ihnen zum Mittag eingeladen, und da sagte er denn unter anderem: ‚Nun, meine Herren? Wollen Sie mir nicht auch einmal die Ehre geben und mich auf dem Gute des Fürsten besuchen?‘ ‚Gern‘, sagen sie. ‚Wir kommen‘. Kurze Zeit darauf hatte das Gericht auf einem der Güter des Grafen Trechmetjew eine Untersuchung vorzunehmen. Eure Exzellenz kennen doch wohl den Grafen ...?“
„Nein, ich habe nicht die Ehre.“