„Die Untersuchung selbst fand nun freilich nicht statt, dafür aber kehrten sie im Wirtschaftsgebäude, beim alten gräflichen Ökonomen ein, und da wurden dann drei Tage und drei Nächte lang ununterbrochen Karten gespielt. Die Teemaschine und der Punsch wurden natürlich überhaupt nicht abgetragen. Bald war es dem Alten indessen zu viel, und, um sie los zu werden, sagte er zu ihnen: ‚Warum sucht ihr denn nicht diesen Deutschen, den Verwalter des Fürsten, auf? Er wohnt ja gar nicht weit von hier.‘ — ‚Ei, das ist eine Idee,‘ schreien sie, setzen sich halbbetrunken, unrasiert und verschlafen wie sie sind in ihre Wagen, und fort geht es zu dem Deutschen. — Dieser aber hatte sich gerade verheiratet, Exzellenz: mit einem jungen subtilen Fräulein aus einem Pensionat (Tschitschikow versuchte die Subtilität mimisch auszudrücken). Sie saßen gerade zusammen beim Tee und dachten an nichts Schlimmes — da öffnet sich plötzlich die Tür — und die ganze Gesellschaft stürmt herein.“
„Ich kann mir die Situation denken — die sind mir aber auch gut!“ bemerkte der General.
„Der Verwalter war ganz erschrocken und sagt: ‚Was wünschen Sie?‘
‚He!‘ rufen sie. ‚Bist du so einer?‘ Und bei diesen Worten veränderten sich plötzlich ihre Gesichter und ihre Mienen. ‚Wir kommen in einer offiziellen Angelegenheit. Wieviel Schnaps brennt ihr hier auf dem Gute! Her mit den Kassenbüchern!‘ Der versucht Einwände zu machen. ‚Hollah. Wo sind die Zeugen!‘ Sie lassen ihn packen, schleppen ihn gebunden in die Stadt, und der brave Deutsche muß anderthalb Jahr in der Untersuchungshaft schmachten.“
„Schöne Geschichte!“ sagte der General.
Ulinka schlug vor Schreck die Hände zusammen.
„Seine Frau suchte sich überall für ihn zu verwenden,“ fuhr Tschitschikow fort. „Aber was kann eine junge, unerfahrene Frau ausrichten? Noch gut, daß sich ein paar brave Leute fanden, die ihr den Rat gaben, die Sache auf dem Wege des Vergleichs aus der Welt zu schaffen. So kam er denn schließlich mit zweitausend Rubeln und einem Mittagessen davon. Während dieses Mittagessens nun, als alle bereits ein wenig angeheitert waren, und er gleichfalls, sagen sie plötzlich zu ihm: ‚Schämtest du dich denn gar nicht, uns so zu behandeln? Du wolltest uns durchaus geschniegelt und gebügelt, rasiert und im Frack vor dir sehen: Nein Verehrtester, lieb uns so schwarz wie wir sind, wenn wir weiß und sauber sind, wird uns jeder lieb haben.‘“
Der General lachte laut auf. Ulinka seufzte schmerzlich.
„Ich verstehe nicht, wie Sie lachen können, Papa!“ sagte sie schnell, und edler Zorn verdunkelte ihre herrliche Stirn ... „So eine gemeine Handlung, für die man sie, ich weiß nicht wohin, schicken sollte ...“
„Liebes Kind, ich verteidige sie ja gar nicht,“ sagte der General, „aber was soll ich machen, wenn ich es so lächerlich finde. Wie sagten Sie gleich: Liebe uns so weiß wie ...“