„Sofort!“ sagte Lenitzyn.
Ich glaube indes, daß beide schwindelten. Wenn man ihnen im Ernst einen solchen Tausch angeboten hätte, sie wären sofort zu Kreuze gekrochen. Es ist doch auch wirklich kein Vergnügen, bei der Amme auf dem Arme zu sitzen und fremde Fräcke zu ruinieren.
Die junge Frau, die Amme und das Kind hatten sich entfernt, denn auch der Kleine bedurfte einer gründlichen Reinigung: er hatte nicht nur Tschitschikow beglückt, sondern auch sich selbst nicht ganz vergessen.
Übrigens nahm dieser scheinbar so unwesentliche Vorfall den Hausherrn noch mehr für Tschitschikow ein. Und in der Tat, wie konnte er einem so angenehmen und höflichen Gast etwas abschlagen, einem Gaste, der so freundlich gegen seinen Kleinen gewesen war, und seine Güte noch dazu so großmütig mit seinem Frack bezahlen mußte. Lenitzyn dachte nämlich: „Warum sollte ich seine Bitte eigentlich nicht erfüllen, wenn er es doch so sehr wünscht ...“
[11.] Variante der andern Fassung.
Um dieselbe Zeit lag Tschitschikow in seinem persischen mit Gold bordierten Schlafrock auf dem Sofa und verhandelte mit einem vorüberreisenden Schmuggler jüdischer Abstammung, der das Russische mit einem deutschen Akzent sprach; vor ihnen lagen ein Stück feinste holländische Leinwand, die Tschitschikow gekauft hatte, um sich neue Hemden machen zu lassen, und zwei Pappschachteln mit Seife von allererster Qualität (es war dieselbe Seife, die er sich ehemals während seines Dienstes im Raziwillschen Zollamt zu halten pflegte, und die tatsächlich die Kraft besaß, den Wangen eine geradezu unerhörte Reinheit und Zartheit zu verleihen). Während nun Tschitschikow mit Kennerblick all diese für jeden gebildeten Menschen so überaus notwendigen Gegenstände einkaufte, hörte man draußen das Gerassel eines heranrollenden Wagens. Die Fensterscheiben erklirrten, und gleich darauf betrat Seine Exzellenz Alexei Iwanowitsch Lenitzyn das Zimmer.
„Exzellenz, was sagen Sie zu dieser Leinwand und zu dieser Seife, und wie gefällt Ihnen dies Ding hier, das ich mir gestern angeschafft habe?“ Mit diesen Worten setzte Tschitschikow eine mit Gold und Glasperlen verzierte Kappe auf und präsentierte sich seinem Gast mit einem Anstand und einer Würde, die der des persischen Schahs nicht viel nachgegeben hätte.
Aber Seine Exzellenz antwortete nichts und sagte nur:
„Ich muß Sie dringend in einer Angelegenheit sprechen.“ Man sah es ihm an, daß er sehr erregt war. Der ehrenwerte Kaufmann mit dem deutschen Akzent wurde sofort hinausbefördert, und beide Freunde blieben allein.
„Wissen Sie, was passiert ist? Eine schöne Geschichte! Es hat sich noch ein zweites Testament gefunden, das die alte Dame vor fünf Jahren gemacht hat. Darin verschreibt sie die Hälfte ihrer Güter dem Kloster und die andre Hälfte ihren beiden Adoptivtöchtern. Das ist alles.“