Tschitschikow ließ sich jedoch durch den skeptischen Blick des Rechtsanwalts keineswegs aus der Fassung bringen, sondern klärte ihn über die schwierige Sachlage auf und ließ die verlockende Aussicht auf seinen Dank und seine Erkenntlichkeit für den ihm erteilten Rat und Beistand vor ihm erstehen.

Der Rechtsanwalt spielte dagegen auf die Unzuverlässigkeit aller irdischen Dinge und Güter an und deutete Tschitschikow gegenüber in zarter Weise an, daß eine Taube auf dem Dache wenig gilt, und ein Sperling in der Hand ihm lieber sei.

Was war da zu machen? Man mußte ihm schon den Sperling in die Hand drücken. Die skeptische Kühle unseres Philosophen verschwand sofort, und es stellte sich heraus, daß er der beste Mensch von der Welt und ein äußerst angenehmer Gesellschafter war, der selbst Tschitschikow, was die Schönheit und weltmännische Gewandtheit der Umgangsformen anbelangte, wenig nachgab.

„Machen wir doch lieber nicht so viel Umstände — Sie haben sich wohl das Testament gar nicht ordentlich angesehn; es wird sicher noch irgend eine Bemerkung oder eine Notiz darin stehen. Nehmen Sie es lieber für einige Zeit an sich. Eigentlich ist es ja verboten, solche Objekte mit sich nach Hause zu nehmen, aber wenn man die Beamten ordentlich darum angeht ... Ich für meinen Teil werde meinen ganzen Einfluß aufbieten.“

„Ich verstehe,“ dachte Tschitschikow und versetzte: „In der Tat, ich kann mich nicht mehr genau darauf besinnen, ob es nicht doch eine Notiz enthielt — es ist fast so, als ob ich das Testament gar nicht selbst aufgesetzt hätte.“

„Das Beste ist, Sie sehen selbst nach. Übrigens können Sie ganz ruhig sein,“ fuhr er gutmütig fort. „Machen Sie sich jedenfalls keine Sorgen, selbst wenn es noch schlimmer kommt. Verzweifeln Sie niemals, es gibt keine solche Sache, die sich nicht wieder gut machen ließe. Sehen Sie doch mich an. Ich bin immer ruhig. Was man auch gegen mich unternehmen mag, ich lasse mich nicht in meiner Gemütsruhe stören.“ Und in der Tat, das Gesicht unseres Philosophen ließ nicht die geringste Bewegung erkennen, so daß Tschitschikow lange ...

„Natürlich ist das das wichtigste,“ versetzte er. „Aber Sie werden mir doch zugestehen, daß es Verhältnisse geben kann, Gefahren und Nachstellungen seitens der Feinde, und so verzwickte Lagen, daß man darüber seine Geistesgegenwart verlieren muß.“

„Glauben Sie mir, das wäre kleinmütig,“ entgegnete der Philosoph sehr ruhig und freundlich. „Achten Sie vor allem darauf, daß die Sache auf dem Aktenwege erledigt wird, und daß es keine mündlichen Auseinandersetzungen gibt. Sobald Sie jedoch bemerken, daß es zum Klappen kommt, und daß die Entscheidung herannaht, — dann dürfen Sie sich nicht etwa rechtfertigen oder verteidigen, sondern Sie müssen einfach mit neuen Tatsachen herausrücken.“

„Man muß also ...“

„Die Sache möglichst verwickeln — das ist alles,“ versetzte der Philosoph, „sie mit neuen, nicht zur Sache gehörigen Details komplizieren, die auch noch andre Leute in die Affäre hineinziehen. Man muß die Fäden durcheinander wirren — das ist das ganze Geheimnis. Mögen doch die Petersburger Beamten sehen, wie sie damit fertig werden!“ wiederholte er, indem er Tschitschikow sehr vergnügt ansah, so wie ein Lehrer seinen Schüler, wenn er ihm ein besonders interessantes Kapitel aus der russischen Grammatik erklärt.