Der General zog die eine Hand aus dem Schlafrock und streifte sich die Hemdärmel an den athletischen Armen in die Höhe. Hierauf begann er sich zu waschen, wobei er um sich spritzte und prustete wie eine Ente. Das Seifenwasser stob nur so durch das Zimmer.

„Ja, ja, sie wollen alle einen Ansporn und eine Belohnung haben,“ sagte er indem er sich seinen dicken Hals rings herum sorgfältig abtrocknete ... „Streichele ihn, streichele ihn nur. Ohne Belohnung hört er nun einmal nicht auf zu stehlen!“

Tschitschikow befand sich in selten guter Laune. Eine Art Begeisterung war plötzlich über ihn gekommen. „Der General ist ein lustiger und gutmütiger alter Herr! Man könnte es am Ende versuchen!“ dachte er und als er sah, daß der Kammerdiener mit dem Waschbecken hinausgegangen war, rief er aus: „Exzellenz! Sie sind so gütig und aufmerksam gegen jedermann! Ich habe eine große Bitte an Sie zu richten.“

„Was für eine Bitte?“ — Tschitschikow sah sich vorsichtig um.

„Ich habe einen Onkel, einen alten sehr gebrechlichen Herrn. Er hat dreihundert Seelen und zweitausend ... und ich bin sein einziger Erbe. Er kann sein Gut nicht mehr allein verwalten, weil er schon zu alt und zu schwach dazu ist, mir aber will er es auch nicht überlassen. Er gibt einen höchst seltsamen Grund dafür an: ‚Ich kenne meinen Neffen nicht,‘ sagt er, ‚vielleicht ist er ein Verschwender und Tunichtgut. Er soll mir erst beweisen, daß er ein zuverlässiger Mensch ist, und sich selbst erst einmal dreihundert Seelen erwerben, dann will ich ihm meine dreihundert dazugeben.‘“

„Erlauben Sie mal! Ist der Mann denn ganz närrisch?“ fragte der General.

„Das wäre noch nicht das Schlimmste, wenn er bloß ein Narr wäre. Das wäre sein eigener Schade. Aber versetzen Sie sich auch in meine Lage, Exzellenz ... Denken Sie, er hat eine Schließerin die bei ihm wohnt, und diese Schließerin hat Kinder. Da muß man sich doch in acht nehmen, daß er ihr nicht noch sein ganzes Vermögen vermacht.“

„Der alte Narr hat seinen Verstand verloren, das ist das Ganze,“ sagte der General. „Ich sehe nur keine Möglichkeit, wie ich Ihnen hier helfen könnte!“ fuhr er fort, indem er Tschitschikow erstaunt ansah.

„Ich habe eine Idee, Exzellenz. Wenn Sie mir alle toten Seelen, die Sie besitzen, überlassen wollten, Exzellenz, ich meine auf Grund eines Kaufvertrages, ganz so als ob sie noch am Leben wären, dann könnte ich dem Alten diesen Vertrag zeigen, und er müßte mir die Erbschaft aushändigen.“

Jetzt aber lachte der General so laut auf, wie wohl noch nie ein Mensch gelacht hat: So lang er war, sank er in den Lehnstuhl, warf den Kopf über die Rücklehne und wäre beinahe erstickt. Das ganze Haus kam in Bewegung. Der Kammerdiener erschien in der Türe, und die Tochter kam ganz erschrocken herbeigelaufen.