„Einen solchen Narren habe ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen!“ rief Tschitschikow aus.
„Das ist noch gar nichts!“ meinte Kostanshoglo. „Koschkarjow ist trotzdem eine tröstliche Erscheinung. Man braucht solche Leute, weil sich in ihnen die Torheiten unserer „weisen Männer“ gewissermaßen karrikiert und recht drastisch offenbaren. — All jene Neunmalklugen, die, noch ehe sie sich zu Hause ordentlich umgesehen haben, sich in der Fremde allerhand Flausen in den Kopf setzen. Sehen Sie doch mal, was wir jetzt für Gutsbesitzer bekommen haben: Was die nicht alles für Neuerungen einführen: Komptoirs, Manufakturen, Schulen und Kommissionen, und weiß der Teufel, was noch alles! So sind aber die gescheidten Leute! Kaum daß man sich von der französischen Invasion und dem Jahr 1812 erholt hat, da fangen sie schon wieder an, Unordnung zu stiften und alles einzureißen. Wahrhaftig, die haben schlimmer gehaust als der Franzose. Wir werden bald so weit kommen, daß irgend ein Peter Petrowitsch Petuch noch einer der tüchtigsten Gutsbesitzer sein wird.“
„Aber er hat doch schon Hypotheken aufgenommen?“ sagte Tschitschikow.
„Na, natürlich! Alles wandert ins Bankhaus, alles, alles!“ Kostanshoglo redete sich allmählig immer mehr in Zorn. „Da haben Sie zum Beispiel eine Hut- und eine Kerzenfabrik — natürlich müssen die Werkmeister aus London verschrieben werden. Man wird ja zum reinsten Krämer! Der Gutsbesitzer — ein so hochachtbarer Beruf — wird Fabrikant und Manufakturist! Webstühle um Tüllkleider für die „Dämchen“ aus der Stadt zu fabrizieren, und diese Frauenzimmer ...“
„Aber du selbst hast doch auch Fabriken,“ bemerkte Platonow.
„Wer hat denn die gebaut?“
„Das kam ganz von selbst. Es war halt so viel Wolle da, daß ich sie nicht absetzen konnte. — Da fing ich eben an, Stoffe zu weben, lauter dickes, einfaches Zeug — das verkaufe ich gleich hier bei mir auf dem Markt. Das sind doch bloß Dinge, die die Bauern brauchen, meine eigenen Bauern. Oder ein anderes Beispiel: die Fischer haben sechs Jahre lang ihre Fischschuppen hier am Ufer hingeworfen. Wo sollte ich bloß hin mit ihnen. Ich habe halt angefangen, Leim aus ihnen zu sieden. Das hat mir vierzig Tausend eingebracht. So kommt bei mir alles von selbst.“
„Teufel!“ dachte Tschitschikow, indem er ihn bewundernd anblickte. „Verstehst du dich aber aufs Geldverdienen!“
„Das habe ich auch nur gemacht, weil so viele Arbeitslose zu mir gelaufen kamen, die ohnedies vor Hunger gestorben wären. Wir hatten ja Hungersnot. Alles dank den Herren Fabrikanten, welche das Säen vergessen hatten. Solche Fabriken gibt’s bei mir in Hülle und Fülle, mein Bester, jedes Jahr ’ne andre. Je nachdem, was ich gerade für Abfälle zu verwerten habe. Sieh’ nur ordentlich bei dir zu Hause nach! Mit jedem Plunder kannst du noch was verdienen, sodaß du ihn schließlich fortwirfst und sagst: ich will nicht mehr. Ich baue mir ja auch keine Häuser mit Säulengängen und Giebeln.“
„Wirklich erstaunlich ... Das merkwürdigste aber ist, daß man mit jedem Plunder was verdienen kann!“ sagte Tschitschikow.