Die Tür des Schneiders stand weit offen, um den Rauchwolken aus der Küche einen Ausgang zu verschaffen; Petrowitschs Frau war gerade dabei, hier Fische zu braten. Akaki Akakiewitsch ging quer durch die Küche, die so voller Rauch war, daß man nicht einmal die vielen sie bevölkernden Schwaben sehen konnte, er ging durch die Küche, ohne daß die Frau seiner ansichtig wurde und trat in die Stube hinein, wo der Schneider auf einem großen, roh gezimmerten und ungestrichenen Tische saß, die Beine wie ein türkischer Pascha übereinandergeschlagen und nach der Art der meisten russischen Schneider mit nackten Füßen.

Wenn man an ihn näher herantrat, so zog vor allem ein Umstand die Aufmerksamkeit auf ihn: nämlich der Nagel eines Daumens, der zwar ein wenig verstümmelt, sonst aber hart und starr war wie die Schale einer Schildkröte. Um den Hals hatte er einen Knäul Seidenfaden und mehrere Zwirnsträhne geschlungen und auf seinen Knieen lag ein zerfetzter Rock. Seit einigen Minuten bemühte er sich, eine Nadel einzufädeln, jedoch ohne Erfolg. Er wetterte zuerst auf die Dunkelheit, dann auf den Faden.

„Willst du nun endlich hinein, Taugenichts!“ schrie er. „Bald habe ich keine Kraft mehr, verdammtes Ding!“

Akaki Akakiewitsch merkte sogleich, daß er einen ungünstigen Augenblick erwischt hatte, wo Petrowitsch schlechter Laune war. Es wäre ihm lieber gewesen, Petrowitsch in einer jener günstigen Stunden anzutreffen, in denen der Schneider schon ein wenig angeheitert war, oder — wie seine Frau sich auszudrücken pflegte — wo dieser einäugige Teufel sich eine solide Ration Fusel einverleibt hatte. Dann war es für den Kunden ein leichtes, ihm einen beliebigen Preis aufzuschwatzen, ja der Schneider ging in seinen Komplimenten bisweilen so weit, daß er sich ehrfürchtig vor ihm vorbeugte und ihn mit Danksagungen überschüttete.

Oft jedoch mischte sich die Frau in die geschäftlichen Abmachungen, beklagte sich über ihren Mann, schrie und tobte und erklärte, er sei betrunken gewesen und habe die Arbeit zu einem viel zu niedrigen Preise angenommen. Dann bot man einige Kopeken mehr, und der Handel war abgeschlossen.

Heute aber hatte zu des Titular-Rats Unglück Petrowitsch bis zu diesem Momente noch nicht der Flasche zugesprochen, und in dieser Gemütsverfassung war der Schneider starrköpfig, unvernünftig und fähig, einen schrecklich hohen Preis zu fordern.

Akaki Akakiewitsch sah diese Gefahr voraus und hätte gern wieder Reißaus genommen; jedoch es war dazu zu spät: das Auge des Schneiders, sein einziges Auge, denn er war einäugig, hatte ihn bereits entdeckt, und so stammelte denn Akaki Akakiewitsch mechanisch:

„Guten Tag, Petrowitsch!“

„Guten Tag, Herr!“ antwortete der Schneider, dessen Blick sich sofort auf die Hand des Titular-Rates heftete, um zu erkennen, was für ein Objekt sie trug.

„Ich war gekommen ... Petrowitsch, nun ... Ich wollte ...“