Der Tag ging zur Neige. Schon sank die Sonne hinab, schon ist sie nicht mehr. Schon war es Abend. Kühl ward es, irgendwo brüllte ein Stier, von irgendwo tönten verwehte Klänge herüber; sicherlich kamen jetzt die Menschen von ihrer Arbeit, um auszuruhen und fröhlich zu sein: über den Dnjepr glitt ein Kahn ...... aber wer kümmerte sich um den Gefangenen? Die silberne Sichel leuchtet am Himmel auf; da schreitet jemand von der anderen Seite den Weg empor; schwer war’s, im Dunkeln zu erkennen, wer das war: Es war Katerina, die jetzt zurückkehrte.
„In Christi Namen, Tochter! Selbst das grausame Junge des Wolfes zerfleischt seine Mutter nicht! Tochter, so wirf doch nur einen Blick auf deinen sündigen Vater!“
Aber sie hörte ihn nicht und ging weiter.
„Tochter, im Namen deiner unglücklichen Mutter ...“ Sie blieb stehen.
„Komm und vernimm mein letztes Wort!“
„Wozu rufst du mich, Gottesverächter? Nenn’ mich nicht Tochter! Zwischen uns ist keine Verwandtschaft! Was willst du von mir im Namen meiner unglücklichen Mutter?“
„Katerina, mein Ende ist nahe! Ich weiß, dein Mann gedenkt, mich an den Schweif eines Rosses zu binden und übers Feld zu schleifen, oder vielleicht erfindet er einen noch grauenvolleren Tod für mich ...“
„Gibt es denn auf der Welt einen Tod, der deinen Sünden gleichkommt? Mach dich darauf gefaßt, für dich wird niemand bitten!“
„Katerina, mich schreckt nicht der Tod, mich schrecken die Qualen in jener Welt! ...... Du bist frei von Schuld, Katerina: deine Seele wird im Paradies in Gottes Nähe weilen, aber die Seele deines gottlosen Vaters wird im ewigen Feuer brennen, und nimmer wird dieses Feuer erlöschen, nur noch höher und höher wird es emporlodern. Kein Tautropfen wird auf ihn herabfallen, und kein Wind wird ins Feuer hauchen.“
„Ich habe nicht die Macht, deine Strafe durch Gebet zu mindern!“ sprach Katerina und wandte sich ab.