„Ich hab’ ihn befreit!“ flüsterte sie und blickte voller Schrecken wie irr auf die Mauern. „Was soll ich jetzt meinem Manne sagen? Ich bin verloren! Ich kann mich nur noch lebendig ins Grab legen.“ Und sie sank schluchzend auf den Klotz, auf dem der Gefangene gesessen hatte. „Aber ich habe eine Seele gerettet!“ sagte sie leise. „Ich tat ein Gott wohlgefälliges Werk. Jedoch mein Mann ...... Ich hab’ ihn zum ersten Male betrogen. O, wie furchtbar, wie schwer wird mir’s werden, ihm die Unwahrheit zu sagen! Da kommt jemand! O, er ist es! es ist mein Mann!“ rief sie verzweifelt, und besinnungslos fiel sie zu Boden.
VII.
„Ich bin’s, meine liebe Tochter, ich bin’s, mein Herzchen!“ hörte Katerina jemand sagen, als sie wieder zu sich kam; sie sah ihre alte Dienerin vor sich. Die Alte beugte sich über sie, schien ihr etwas zuzuflüstern, und ihre vertrocknete Hand bespritzte sie mit kaltem Wasser.
„Wo bin ich?“ sagte Katerina, indem sie aufstand und um sich blickte. „Vor mir rauscht der Dnjepr und hinter mir liegen die Berge ... Wohin hast du mich geführt, Weib?“
„Ich hab’ dich nicht weggeführt, sondern hinausgetragen; auf meinen Armen trug ich dich aus dem dumpfen Gewölbe. Ich habe die Tür mit dem Schlüsselchen zugeschlossen, damit dich Pan Danilo nicht findet und bestraft!“
„Wo ist der Schlüssel?“ sprach Katerina und blickte auf ihren Gürtel, „ich seh’ ihn nicht!“
„Dein Mann hat ihn abgebunden, um nach dem Zauberer zu sehen, mein Kind!“
„Um nach ihm zu sehen? .... Weib, ich bin verloren!“ rief Katerina.
„Davor mag Gott uns bewahren, mein Kind! Schweig du nur, liebe Herrin. Niemand wird etwas erfahren!“
„Er ist entflohen, der verfluchte Antichrist! Hast du gehört, Katerina? Er ist entflohen!“ rief Pan Danilo, der auf seine Frau zutrat. Seine Augen sprühten Feuer, und sein Säbel schüttelte sich klirrend an seiner Seite. Sein Weib erstarrte.