„Es hat ihn wohl jemand befreit, lieber Mann?“ sprach sie zitternd.
„Befreit! Du hast recht. Aber der Teufel hat ihn befreit. Schau hin! Statt seiner liegt ein in Eisen geschmiedeter Klotz da. Gott hat’s nun einmal so eingerichtet, daß der Teufel sich nicht vor Kosakenfäusten fürchtet! Wenn einer von meinen Kosaken auch nur von fern daran gedacht haben sollte, und ich erfahre es ..... O, ich würde keine Strafe ausdenken können, die schwer genug für ihn wäre!“
„Und wenn ich es wäre?“ sprach Katerina unwillkürlich und hielt erschrocken inne.
„Wenn du’s getan hättest, so wärest du mein Weib nicht mehr! Ich würde dich in einen Sack einnähen lassen und mitten im Dnjepr ertränken! ....“
Katerina stockte der Atem und ihr war, als lösten sich ihr die Haare vom Haupte.
VIII.
In einer Schänke am Grenzwege sind die Polen versammelt und zechen schon zwei Tage lang. Nicht wenig Gesindel sitzt da beisammen. Sie sind wohl zusammengekommen, um einen Überfall auszuhecken! Manche von ihnen haben Musketen, die Sporen klirren und die Säbel rasseln. Die polnischen Herren sind lustig, schneiden auf und reden prahlerisch von unerhörten Taten, sie spotten über den rechten Glauben, nennen das Volk der Ukraine ihre „Knechte“, zwirbeln stolz den Schnurrbart in die Höhe, und mit hochmütig zurückgeworfenen Köpfen recken sie sich auf den Bänken. Auch ihr Priester ist bei ihnen; doch auch der ist vom selben Schlage wie sie. Er gleicht nicht einmal dem Äußern nach einem christlichen Priester, denn er schmaust und zecht mit ihnen, und seine unreine Zunge führt unzüchtige Reden. Auch das Gesinde gibt ihnen in nichts nach: sie haben die Ärmel der schäbigen Schupans aufgestreift und stolzieren so aufrecht einher, als wären sie was Rechtes! Sie spielen und hauen einander mit den Karten auf die Nasen. Dann haben sie fremde Weiber bei sich und das gibt ein Geschrei und ein Raufen! ... Die polnischen Herren toben nur so und treiben Schabernack mit den Leuten; sie packen einen Juden am Bart, malen ihm ein Kreuz auf seine gottlose Stirn, schießen mit blind geladenen Pistolen nach dem Weibsvolk und tanzen einen Krakowiak mit ihrem schändlichen Priester. Gab’s doch nicht einmal von den Tataren solch Ärgernis im russischen Lande: Gott hat es ihm wohl beschieden, solche Schmach für seine Sünden zu erdulden. Und mitten in diesem Sodom hört man sie vom Gutshof des Pan Danilo am Dnjepr und von seinem schönen Weibe sprechen ..... Wahrlich, nichts Gutes sinnt die Rotte, die hier versammelt ist!
IX.
Pan Danilo sitzt in seiner Stube am Tisch, das Haupt auf den Ellenbogen gestützt, und sinnt nach. Auf der Ofenbank aber sitzt Pani Katerina und singt ein Lied.
„Mir ist so traurig zumute, Weib!“ spricht Pan Danilo, „der Kopf tut mir weh und das Herze auch. Es lastet etwas auf mir! Mein Tod ist wohl nicht mehr fern.“