„O, mein herzliebster Gemahl, neig deinen Kopf zu mir her! Warum hegst du so schwarze Gedanken in deiner Brust?“ dachte Katerina, wagte es aber nicht auszusprechen. Ihr, der Schuldbewußten, wurde es schwer, des Mannes Liebkosungen entgegenzunehmen.

„Hör, liebes Weib!“ sagte Danilo, „verlaß meinen Sohn nicht, wenn ich einst tot bin! Gott wird kein Glück auf dich herabsenden, weder in dieser, noch in jener Welt, wenn du ihn von dir stößt. Schwer würde es meinen Knochen werden, in der feuchten Erde zu verfaulen, und noch trauriger wär’ meine Seele!“

„Was sprichst du, mein Gemahl? Warst du es nicht, der uns schwache Frauen einst auslachte? Und jetzt redest du selbst wie ein schwaches Weib. Du wirst noch lange leben!“

„Nein, Katerina, meine Seele ahnt schon den nahen Tod. Es wird so traurig in der Welt und schlimme Zeiten brechen an. Oh! ich besinne mich wohl auf die vergangenen Jahre; die kehren wohl nimmer wieder! Damals war noch der alte Konaschewitsch am Leben, der Ruhm und die Ehr’ unseres Heeres! Und all die Kosakenregimenter ziehen wieder an meinen Augen vorüber. Ja, es war eine goldene Zeit, Katerina! Der alte Hetman saß auf seinem Rappen und in seiner Hand glänzte der Hetmansstab; rings um ihn standen die Führer, und auf den Seiten wogte das rote Meer der Saporoger. Und wenn der Hetman zu sprechen begann, dann stand alles da wie erstarrt. Der Alte weinte, als er der früheren Taten und Gefechte gedachte. Ach, wenn du wüßtest, Katerina, wie wir damals uns mit den Türken schlugen: Noch heute sieht man die Narbe auf meinem Haupte. Vier Kugeln durchbohrten mich an vier Stellen, und keine der Wunden ist je vollständig geheilt. O, wieviel Gold wir damals erbeuteten, und die Edelsteine schöpften die Kosaken wie Wasser mit ihren Mützen. Und was für Pferde, wenn du wüßtest, was für Pferde wir damals raubten, Katerina! Nein, solche Kriege erleb’ ich nie wieder! Noch bin ich ja nicht alt, ich bin noch rüstig, doch das Kosakenschwert entsinkt meiner Hand, ich lebe tatenlos dahin und weiß selbst nicht, wozu ich lebe. In der Ukraine herrscht keine Ordnung mehr: die Feldherrn und Jessauls beißen sich herum wie die Hunde; ’s ist keiner da, dem alle gehorchten und der ihr Haupt wäre. Unsere Schlachzizen haben alles geändert und polnische Sitten eingeführt, sie sind so schlau und so tückisch geworden und haben ihre Seelen verkauft, indem sie die Union annahmen und einen Bund mit dem Papst schlossen. Die Juden knechten das arme Volk. O Zeiten, Zeiten, vergangene Zeiten! Wo seid ihr geblieben, ihr, meine vergangenen Jahre? Geh ins Gewölbe hinab, Bursch, und hol mir einen Krug mit Meth! Ich will trinken auf unser altes Leben und die vergangenen Zeiten!“

„Womit sollen wir die Gäste empfangen, Pan? Die Polen kommen von der Wiese her!“ rief Stetzko, der in diesem Augenblick ins Zimmer hereinstürzte.

„Ich weiß wohl, wozu sie kommen!“ sprach Danilo, sich von seinem Platze erhebend. „Sattelt die Pferde, meine treuen Knechte! Schirrt sie rasch an und heraus mit den Säbeln! Vergeßt auch die blauen Bohnen nicht! Die Gäste sollen mit Ehren empfangen werden!“

Kaum hatten die Kosaken ihre Pferde bestiegen und die Musketen geladen, da überschwemmten die Polen schon den Berg wie Laub, das im Herbst von den Bäumen fällt.

„Hehe, da gibt’s eine feine Gesellschaft!“ rief Danilo und blickte auf die dicken Pans, die sich würdevoll auf ihren goldgeschirrten Rossen schaukelten. „Wohl denn, so werden wir uns einmal noch herrlich tummeln! Freu dich zum letzten Male, Kosakenseele. Wohlauf, ihr Burschen, das Fest hat begonnen!“

Und auf den Bergen ward es fröhlich, und das Fest hub an: da schwirren die Säbel, da fliegen die Kugeln, da wiehern und trampeln die Pferde. Die Schädel dröhnen vom Rufen und Schreien, und der Rauch blendet die Augen. Alles geht wild durcheinander, aber der Kosak ahnt wohl, wo Freund und Feind ist. Eine Kugel kommt gepfiffen, und ein tapferer Reitersmann stürzt vom Roß; ein Säbel klirrt — und ein Kopf wälzt sich, zusammenhanglose Reden lallend, am Boden.

Aber mitten im Haufen, da sieht man die rote Kosakenmütze des Pan Danilo, und wie ein Blitz trifft das Auge das Gefunkel des goldenen Gürtels auf dem blanken Schupan; wie ein Wirbelwind flattert die Mähne des Rapphengstes daher; gleich einem Vogel eilt er bald hier hin, bald dort hin, schreit laut auf, schwenkt den Damaszener-Säbel und schlägt rechts und links um sich. Hau zu, Kosak! Frisch drauf und los, Kosak! Erfreu dein mutiges Herz, aber verguck dich nicht in das Gold der Gespanne und Schupans; tritt Gold und Edelsteine mit den Füßen! Stich zu, Kosak! Frisch drauf los, Kosak! Aber sieh dich nicht um: schon stecken die frevelnden Polen die Hütten in Brand und treiben das ängstliche Vieh fort. Wie ein Sturm wirbelt Pan Danilo zurück, die Mütze mit dem roten Dach blitzt schon dicht neben den Häusern auf, und rings um ihn wird der Haufen geringer.