Als Petro tot war, rief Gott die Seele der beiden Brüder, Petro und Iwan, vor Gericht. „Dieser Mensch ist ein großer Sünder!“ sprach Gott. „Iwan! Ich weiß keine Strafe, die groß genug für ihn wäre; wähle du sie!“ Lang grübelte Iwan nach, um eine Strafe zu ersinnen, und endlich sprach er: „Dieser Mensch hat mir einen großen Schmerz zugefügt: er hat seinen Bruder verraten wie ein Judas, und er hat mich meines edlen Geschlechts beraubt und meiner Nachkommenschaft auf Erden, und ein Mensch ohne ehrlich Geschlecht und ohne Nachkommen ist wie ein Getreidekorn, das man auf die Erde wirft, und das in der Erde umkommt. Da gibt’s keine Saat, und niemand erfährt je, daß ein Same ausgesät ward.“
„So tu denn also, o Gott, daß sein ganzes Geschlecht auf Erden kein Glück habe und daß der letzte seines Geschlechts solch ein Bösewicht werde, wie es noch nie einen in der Welt gab: seine Ahnen und Urahnen mögen durch jede seiner Freveltaten aus der Ruhe ihrer Gräber aufgestört werden, und in Qualen, wie die Welt sie nicht kennt, ihren Gräbern entsteigen! Der Judas Petro aber soll nicht die Kraft haben, sich zu erheben, auf daß noch viel größere Martern ihn peinigen; wütend soll er Erde fressen und sich wie ein Rasender unter der Erde winden!“
„Und wenn das Maß der Freveltaten jenes Menschen voll ist, Gott, so erhebe mich mitsamt meinem Roß aus jenem Schlunde bis auf den höchsten Berg, dann soll jener zu mir kommen, und ich will ihn von dem Berge in den tiefen Abgrund stürzen, und alle Toten, seine Ahnen und Urahnen, sie sollen herbeieilen von allen Enden der Welt, wo sie auch bei Lebzeiten geweilet haben mögen, und an ihm nagen zum Dank für die Qualen, die er ihnen zugefügt; ewiglich sollen sie an ihm nagen, ich aber werde mich freuen beim Anblick seiner Qualen. Der Judas Petro aber soll sich nicht aus der Erde erheben können, er soll auch den Wunsch haben, an dem andren zu nagen, aber er mag an sich selbst nagen, und seine Knochen sollen immer größer werden und höher empor wachsen, auf daß darob seine Qual noch stärker werde. Diese Qual ist die fürchterlichste von allen; denn es gibt keine größere Folter für den Menschen, als sich rächen zu wollen und nicht rächen zu können.“
„Furchtbar fürwahr ist die Strafe, die du ersonnen, o Mensch!“ sprach da Gott. „Und alles möge so geschehen, wie du es gesprochen; aber auch du sitze nun ewiglich dort zu Pferde, und das Himmelreich sei dir nicht beschieden, solange du noch dort auf deinem Rosse sitzen mußt!“ Und alles geschah, wie es gesagt ward: auch heute noch steht der wunderbare Ritter auf dem Karpathenberge und sieht im bodenlosen Schlunde die Toten an einem Leichnam nagen, und er fühlt, wie der Leichnam unter der Erde wächst, wie er in furchtbarer Pein an den eigenen Knochen nagt und schrecklich die Erde erschüttert ........
Der Blinde hatte sein Lied beendet, schon fing er von neuem an, die Saiten zu zupfen und schon begann er wieder ergötzliche Märlein von Choma und Jerjoma, und von Stkljar Stokosa zu singen ... aber Alt und Jung konnten noch immer nicht zu sich kommen, und lange noch standen sie mit gesenktem Haupte da, in tiefes Sinnen versunken über die schreckliche Tat aus vergangenen Zeiten.