Und die Tante ging nach der Küche und ließ Iwan Fjodorowitsch allein. Aber seit der Zeit dachte sie an nichts anderes, als daran, ihren Neffen möglichst bald zu verheiraten und seine kleinen Enkelkinder zu wiegen. Ihr Kopf war nur noch von Gedanken an die Vorbereitungen zur Hochzeit erfüllt, und man sah ganz deutlich, daß sie noch viel emsiger war als vorher, obwohl alles eher schlimmer als besser ging. Wenn sie jetzt einen Kuchen zubereitete, den sie übrigens niemals der Köchin anzuvertrauen pflegte, versank sie häufig in Gedanken, bildete sich ein, neben ihr stehe ein kleines Enkelchen, das ein Stückchen Kuchen haben wollte, und streckte zerstreut die Hand mit dem besten Stücke aus; der Hofhund machte sich das gewöhnlich zunutze, packte den leckeren Bissen und weckte sie durch sein lautes Schmatzen aus ihrer Nachdenklichkeit, wofür der Hund übrigens immer Schläge mit dem Ofenhaken bekam. Sie gab sogar ihre Lieblingsbeschäftigung auf und fuhr nicht mehr zur Jagd, besonders seitdem sie einmal statt eines Truthahns eine Krähe geschossen hatte, was ihr früher niemals widerfahren war.
Vier Tage später sah man endlich die Kalesche aus dem Schuppen in den Hof fahren. Der Kutscher Omeljko, der gleichzeitig auch Gärtner und Aufseher war, fing schon seit dem frühen Morgen an zu hämmern und das Leder anzunageln, während er immerzu die Hunde davonjagen mußte, die herankamen und an den Rädern leckten. Hier halte ich es für meine Pflicht, dem Leser zu berichten, daß dies dieselbe Kalesche war, in der schon Adam gefahren ist, und sollte daher jemand eine andere für die Adams ausgeben, so wäre das sicherlich eine freche Lüge, und die Kalesche wäre unecht. Es ist nicht genau bekannt, wie sie der Sintflut entronnen ist, man kann nur annehmen, daß in der Arche Noah ein besonderer Schuppen für sie vorhanden war. Es ist sehr schade, daß ich dem Leser ihre Gestalt nicht lebendig vor Augen führen kann. Es genüge daher zu sagen, daß Wassilissa Kaschparowna mit ihrer Bauart äußerst zufrieden war und es stets bedauerte, daß die alten Equipagen aus der Mode gekommen seien. Selbst das, daß die Kalesche etwas schief, und daß die rechte Seite etwas höher war, als die linke, erregte ihren Beifall, denn so konnte von der einen Seite, wie sie behauptete, ein Mensch von kleinem Wuchse, und von der anderen ein großer aussteigen. Im übrigen konnte die Kalesche etwa fünf Personen von kleiner Statur und drei solche, wie die Tante, in ihrem Inneren aufnehmen.
Als er mit der Kalesche fertig war, führte Omeljko gegen Mittag drei Pferde aus dem Stall, die etwas jünger waren als die Kalesche und band sie mit einem Strick fest an die majestätische Equipage. Iwan Fjodorowitsch und die Tante stiegen ein, er von der einen, sie von der anderen Seite, und die Pferde zogen an. Alle Bauern, die ihnen begegneten, blieben beim Anblick dieser vornehmen Equipage (die Tante pflegte nämlich nur selten in ihr auszufahren) respektvoll stehen, nahmen die Mützen ab und verbeugten sich bis zur Erde.
Nach etwa zwei Stunden machte der Wagen vor der Freitreppe Halt; ich glaube, es ist hier nicht erst nötig zu sagen, vor wessen Freitreppe er hielt. Grigori Grigorjewitsch war nicht zu Hause; und die Alte und die Fräuleins empfingen die Gäste im Speisezimmer; die Tante näherte sich ihnen mit majestätischen Schritten, stellte mit viel Geschicklichkeit einen Fuß vor und sagte laut:
„Gnädige Frau, ich freue mich, daß ich die Ehre habe, Ihnen persönlich meine Hochachtung ausdrücken zu dürfen, zugleich erlaube ich mir mit Respekt, Ihnen meinen Dank für die gastfreundliche Aufnahme meines Neffen Iwan Fjodorowitsch auszusprechen, der Ihres Lobes voll ist. Sie haben einen wundervollen Buchweizen, gnädige Frau, das habe ich bemerkt, als ich mich dem Dorfe näherte. Darf ich fragen, wieviel Sie pro Deßjatin ernten?“
Hierauf küßten alle einander aufs herzlichste ab und erst als man im Gastzimmer Platz genommen hatte, begann die Alte:
„Was den Buchweizen anbetrifft, so kann ich Ihnen nichts Genaues darüber sagen. Das ist Grigori Grigorjewitschs Ressort; ich beschäftige mich schon längst nicht mehr damit, auch könnte ich’s nicht, selbst wenn ich wollte: ich bin schon zu alt dazu! In früheren Zeiten wuchs, wie ich mich besinne, der Buchweizen bei uns so hoch, daß er einem bis an den Gürtel reichte, jetzt ist das nicht mehr so, obwohl man stets behauptet, es werde jetzt alles immer besser.“ Die Alte stieß einen Seufzer aus, und ein aufmerksamer Beobachter hätte in ihm das Aufseufzen des alten achtzehnten Jahrhunderts vernehmen können.
„Ich habe gehört, daß bei Ihnen im Hause großartige Teppiche gemacht werden, gnädige Frau,“ sagte Wassilissa Kaschparowna und berührte damit die empfindlichste Seite der Alten: bei diesen Worten lebte jene auf, und nun strömten ihre Reden nur so hin: wie man das Gewebe färben, welchen Faden man dazu nehmen müsse und was dergleichen mehr ist.
Von den Teppichen ging die Unterhaltung bald aufs Gurkeneinlegen und Birnentrocknen über. Kurz, es war noch keine Stunde verflossen, da unterhielten sich die beiden Damen schon so lebhaft, als ob sie ihr Lebtag miteinander bekannt gewesen wären. Ja, Wassilissa Kaschparowna sprach sogar über viele Dinge so leise mit der Alten, daß Iwan Fjodorowitsch nichts mehr hören konnte.
„Wollen Sie nicht selbst sehen?“ sagte die greise Hausfrau und erhob sich.