„Marja Grigorjewna ist ein sehr bescheidenes und sittsames Fräulein!“ sagte Iwan Fjodorowitsch.

„Höre, Iwan Fjodorowitsch: ich will ernst mit dir reden. Du bist, Gott sei Dank, schon fast achtunddreißig Jahre alt; und einen schönen Rang hast du auch schon: es wird nun bald Zeit, an die Kinder zu denken! Du brauchst unbedingt eine Frau ....“

„Wie, liebe Tante!“ rief Iwan Fjodorowitsch ganz erschrocken: „Wie? Eine Frau! Nein, liebe Tante, seien Sie doch so lieb .... Sie beschämen mich .... Ich bin noch nie verheiratet gewesen .... Ich weiß ja gar nicht, was ich mit einer Frau anfangen soll!“

„Du wirst’s schon lernen, Iwan Fjodorowitsch, du wirst es schon lernen,“ rief die Tante lächelnd und dachte bei sich: ‚Kein Gedanke! Der Junge ist noch ein richtiges Kind: er weiß ja von gar nichts!‘ — „Ja, ja, Iwan Fjodorowitsch!“ fuhr sie laut fort, „eine bessere Frau als Marja Grigorjewna wirst du wohl nie finden. Außerdem hat sie dir ja doch gut gefallen. Die Alte und ich haben schon viel darüber gesprochen: sie wäre sehr froh, dich zum Schwiegersohn zu bekommen. Freilich weiß man noch nicht, was dieser alte Sünder Grigori Grigorjewitsch dazu sagen wird; aber wir werden nicht darauf achten, und sollte er dir etwa die Mitgift nicht herausgeben wollen, so würden wir ihn auf gerichtlichem Wege ....“

In diesem Augenblick fuhr der Wagen in den Hof und die uralten Stuten lebten auf, als sie die Nähe des Stalles witterten.

„Höre, Omeljko! laß die Pferde zuerst gut ausruhen und führe sie nicht gleich zur Tränke. Die Pferde sind ja noch ganz heiß. — Also, Iwan Fjodorowitsch, ich rate dir, dir die Sache gründlich zu überlegen. Ich muß noch etwas in der Küche nachschauen: ich habe vergessen, das Abendbrot bei der Solocha zu bestellen und das nichtsnutzige Weib hat sicher nicht von selbst daran gedacht.“

Iwan Fjodorowitsch stand da wie vom Donner gerührt. Marja Grigorjewna war zwar ein sehr nettes Fräulein: aber heiraten! .... Das erschien ihm so sonderbar und wundersam, daß er nicht ohne Schreck daran denken konnte. Mit einer Frau zusammen leben! .... das war doch ganz unbegreiflich! Er sollte nicht mehr allein in seinem Zimmer sein können, sondern sie würden immer zu zwei sein! .... Und der Schweiß trat ihm auf die Stirn, je mehr er sich in die Betrachtung vertiefte.

Früher als sonst ging er zu Bett, aber trotz aller Bemühungen konnte er nicht einschlafen. Endlich suchte ihn der ersehnte Schlaf, dieser Ruhebringer und Tröster aller Menschen auf. Aber was war das für ein Schlaf! Unzusammenhängendere Träume hatte er noch niemals gesehen. Bald träumte er, rings um ihn rausche und drehe sich alles, und er selbst laufe und laufe atemlos dahin .... Schon verließen ihn die Kräfte .... Plötzlich aber packte ihn jemand am Ohr. „O je! Wer ist das?“ — „Das bin ich, deine Frau!“ sprach eine lärmende Stimme zu ihm — und er erwachte. Bald schien es ihm, er sei schon verheiratet und alles in dem Häuschen sei so absonderlich und so merkwürdig; in seinem Zimmer stehe statt eines einfachen Bettes ein Doppelbett und auf dem Stuhle sitze seine Frau. Es war ihm ganz eigentümlich zumute: er wußte nicht, wie er an sie herantreten, worüber er mit ihr sprechen sollte, und nun erst merkte er, daß sie das Gesicht einer Gans hatte. Zufällig drehte er sich um und sah eine zweite Frau, die ebenfalls einen Gänseschnabel hatte, er drehte sich auf die andere Seite um — da stand eine dritte Frau, er wandte sich nach hinten — da stand noch eine Frau. Da erfaßte ihn eine wilde Angst; er stürzte in den Garten, aber im Garten war es heiß, er nahm den Hut ab, und siehe: auch im Hute saß eine Frau. Schweiß bedeckte sein Gesicht; er wollte das Taschentuch aus der Tasche holen — aber auch in der Tasche saß eine Frau; er zog sich die Watte aus dem Ohre — auch da saß eine Frau .... Dann hüpfte er wieder auf einem Bein, und die Tante sah zu und sprach mit würdevoller Miene: „Ja, jetzt kannst du hüpfen und springen, denn du bist ja jetzt ein verheirateter Mann.“ Er eilte auf sie zu; aber die Tante war nicht mehr die Tante, sondern ein Glockenturm. Und er fühlte, wie jemand ihn an einem Strick auf den Glockenturm hinaufzog. „Wer zieht mich da hinauf?“ fragte Iwan Fjodorowitsch klagend. „Ich ziehe dich, ich, deine Frau, denn du bist eine Glocke!“ „Nein, ich bin keine Glocke, ich bin Iwan Fjodorowitsch!“ schrie er. „Nein, du bist eine Glocke!“ sprach der Oberst des P—er Infanterieregiments im Vorübergehen.

Oder er träumte, seine Frau sei gar kein Mensch, sondern ein wollener Stoff; er käme nach Mohilew in einen Laden, und der Kaufmann fragte ihn: „Was für einen Stoff wünschen Sie? Nehmen Sie doch Frau, das ist der modernste Stoff! Er ist sehr haltbar! Man macht jetzt Röcke daraus.“ Und der Kaufmann maß und schnitt ein Stück von der Frau ab. Iwan Fjodorowitsch nahm sie unter den Arm und ging damit zum jüdischen Schneider. — „Nein,“ meinte der Jude, „das ist ein schlechter Stoff! Daraus läßt sich doch niemand einen Rock machen ....!“

Voller Angst und ganz außer sich erwachte Iwan Fjodorowitsch; der kalte Schweiß troff nur so von ihm herunter wie ein Platzregen.