Kaum war er aufgestanden, so wandte er sich sofort an sein Wahrsagebuch, dem ein tugendhafter Buchhändler in seiner seltenen Güte und Uneigennützigkeit noch einen kurzen Traumdeuter angehängt hatte. Aber dort stand nichts, was diesem sinnlosen Traume auch nur einigermaßen entsprochen hätte.

Indessen aber reifte im Kopfe der Tante ein ganz neuer Plan, von dem Sie im nächsten Kapitel hören sollen.

Der verhexte Ort

Sage
Erzählt vom Küster an der Kirche zu ***

Bei Gott, ich hab’ das Erzählen satt! Was glaubt ihr denn? Es ist wahrhaftig auch zu langweilig: man erzählt und erzählt, und kommt nie wieder davon los! Na, meinetwegen, ich will euch noch was erzählen, aber gebt acht, es ist das letztemal. Ja, ihr habt also davon gesprochen, daß ein Mensch mit dem unreinen Geiste fertig werden könne. Gewiß, das heißt, wenn man genauer zusieht, dann merkt man dennoch, daß es in der Welt allerhand sonderbare Vorfälle gibt .... Indessen sagt das nicht: will einen die Teufelsmacht blenden, so tut sie es, bei Gott, sie tut es! ..... Nun also, mein Vater hatte im ganzen vier Kinder; ich war damals noch ein Grünschnabel, und war erst elf Jahre alt ... Doch nein, ich war noch nicht elf Jahre alt, ich erinnere mich, wie wenn’s heute wäre, daß ich einmal auf allen Vieren herumkroch und wie ein Hund zu bellen anfing, und wie da mein Vater den Kopf schüttelte und mich anschrie: „Ei, Foma, Foma! Es ist Zeit, daß man dich verheiratet, sonst wirst du noch so närrisch wie ein junges Maultier!“

Mein Großvater war damals noch gesund und — mag ihm in jener Welt der Schluckauf leicht werden — noch ziemlich gut auf den Beinen. Wenn der nun manchmal so ..... Aber wozu erzähle ich euch das eigentlich? Der eine von euch wühlt schon seit einer Stunde im Ofen herum und sucht nach einer Kohle für seine Pfeife, und ein anderer ist in die Kammer gelaufen, um sich was zu holen ... Ach was! Wenn ich mich euch noch aufgedrängt hätte — aber ihr habt ja selbst darauf bestanden .... Man hört entweder ordentlich zu oder gar nicht.

Mein Vater war schon im Anfang des Frühlings in die Krim gefahren, um Tabak zu verkaufen. Ich kann mich nun nicht mehr daran erinnern, ob er zwei oder drei Wagen ausgerüstet hatte; aber der Tabak stand damals hoch im Preise. Er nahm meinen dreijährigen Bruder mit sich, um ihn frühzeitig an das Handwerk zu gewöhnen; wir dagegen: der Großvater, die Mutter, ich, ein Bruder und noch ein zweiter Bruder blieben zu Hause. Der Vater hatte dicht an der Landstraße ein Stück Land, das er bebaut hatte; er siedelte daher in seine Hütte auf dem Felde über, und nahm auch uns mit, um ihm die Spatzen und die Elstern von den Feldern verscheuchen zu helfen. Man kann nicht sagen, daß es uns gerade schlecht ging. Den Tag über aß man sich so sehr an Gurken, Melonen, Rüben, Zwiebeln und Erbsen voll, daß es einem zumute war, als ob einem die Hähne im Bauche krähten. Dazu brachte es auch noch etwas ein: manch ein Reisender zog auf der Straße vorbei, und da wollte jeder gerne eine Wassermelone oder eine Zuckermelone kosten, oder man brachte von den umliegenden Vorwerken Hühner, Eier und Truthähne herbei und tauschte sie ein. Das war ein schönes Leben.

Am meisten aber freute sich der Großvater, wenn jeden Tag an die fünfzig Frachtfuhrleute vorbeigezogen kamen. Das sind meist Leute, die was erlebt und erfahren haben: und dann ging ein Erzählen los, daß man nur so die Ohren aufsperren mochte! Für den Großvater aber war das halt, so wie Knödel für einen Hungrigen. Manchmal stieß er auf alte Bekannte, — denn meinen Großvater kannte jedermann, — na, ihr könnt euchs ja wohl selbst denken, wie das ist, wenn die alten Leute zusammensitzen: dann geht’s taratata und taratata, über dies und jenes, diese und jene Zeiten, da floß ihnen wohl der Mund über, wenn sie so anfingen, sich auf Anno dazumal zu besinnen.

Einst ging der Großvater über Feld — ’s ist mir wahrhaftig, als wär’s jetzt eben geschehen —; die Sonne war im Begriff unterzugehen, und Großvater war damit beschäftigt, die Blätter von den Zuckermelonen abzunehmen; er pflegte die Melonen nämlich den Tag über mit Blättern zu bedecken, damit sie nicht so in der Sonne brieten.

„Schau, Ostap!“ sagte ich zu meinem Bruder, „da kommen Frachtfuhrleute angefahren!“